Leverkusen: Bürgerbusch droht Schädlingsplage
VON PETER KORN - zuletzt aktualisiert: 06.05.2010Leverkusen (RPO). Weil der mehr als ein Jahr währende Streit um den Verkauf des Leverkusener Stadtwalds noch immer nicht beigelegt ist, wird Altholz nicht abtransportiert. Nun droht sich der Borkenkäfer einzunisten – eine echte Gefahr.
Als Sturmtief Xynthia Ende Februar über weite Teile Deutschlands hinwegfegte, gab es auch diverse Schäden im Bürgerbusch. "Windwurf" nennt der Fachmann diese aufgrund von starken Stürmen oder Orkanen entwurzelten oder geknickten Bäume. Revierförster Karl Zimmermann kennt auch eine ganze Reihe von Stellen im Leverkusener Stadtwald, in denen Xynthia gewütet hat und wo Sturmholz herumliegt.
Normalerweise wäre zumindest ein großer Teil davon bereits abtransportiert und verarbeitet. Aber weil die Eigentumsverhältnisse noch immer nicht geklärt seien, "erteilt mir niemand einen Auftrag", berichtet Zimmermann.
Borkenkäfer
Der Borkenkäfer (Scolytinae) bezeichnet eine Unterfamilie der Rüsselkäfer. Weltweit gibt es etwa 5000 Arten. Einige von ihnen richten nach Massenvermehrung große Waldschäden an.
"Immer neue Forderungen"
Der Kölner Immobilienunternehmer Wilfried Hilgert, der den Bürgerbusch im Frühjahr 2009 erworben und nach eigenen Angaben bereits 85 Prozent der Kaufsumme bezahlt hat, ist immer noch nicht rechtsgültiger Eigentümer. Er liegt im Streit mit dem bisherigen Eigentümer Geza von Diergardt, der in Kanada lebt, und dem Hilgert vorwirft, ihn beim Verkauf gleich in mehreren Punkten getäuscht zu haben (wir berichteten). Zuletzt sah es ganz so aus, als stünde eine Einigung der Streitparteien unmittelbar bevor. "Doch dann hat die Gegenseite immer neue Forderungen nachgeschoben", sagt Hilgert.
So habe von Diergardt beispielsweise öffentliche Zuschüsse für Wiederaufforstungen einkassiert, die sich auf mehrere Jahre verteilten und ausdrücklich auch die Pflege der Bäume beinhalteten: "Die Pflegemaßnahmen soll ich jedoch aus eigener Tasche bezahlen." Außerdem hätten sich beide Seiten geeinigt, den Besitzerwechsel auf 1. Januar 2010 zu terminieren. "Jetzt", berichtet Hilgert, "heißt es plötzlich: 1. Juni."
Das Hin und Her könnte dem Wald nun allmählich ernstlich Schaden zufügen. Denn es droht eine Borkenkäfer-Plage. "Die Schädlinge fressen sich gerne in halbtotes Holz und legen dort auch ihre Eier ab", sagt Förster Zimmermann. Im herumliegenden Sturmholz im Bürgerbusch fänden sie geradezu ideale Bedingungen: "Das ist wie eine Art kaltes Buffet." Ist die Schädlings-Population stark angewachsen, seien auch gesunde Bäume akut bedroht. "Momentan helfen uns noch die relativ kalten Temperaturen, aber sobald es wärmer wird, müssen wir mit Käferbefall rechnen", warnt Zimmermann.
Höchste Zeit, dass etwas geschieht. Doch Hilgert weiß nach eigenem Bekunden im Augenblick noch nicht einmal, wann er das nächste Mal etwas von der von Diergardtschen Seite hört. "Wir haben zig Versuche gemacht, in Kontakt zu treten, aber fast nie Rückmeldungen bekommen", sagt der Geschäftsmann, der sich "bewusst hingehalten" fühlt.
Die Rheinische Post hat in den vergangenen Tagen mehrfach versucht, mit von Diergardts Rechtsanwalt zu sprechen, aber bisher trotz Rückruf-Zusage noch nichts gehört.
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