Alkenrath: Bürgerbusch: Streit um 150 000 Euro
VON PETER KORN - zuletzt aktualisiert: 19.11.2009Alkenrath (RPO). In der aktuellen Auseinandersetzung um den Verkauf des Leverkusener Stadtwalds an den Kölner Immobilien-Unternehmer Wilfried Hilgert hat sich jetzt auch der Anwalt von Diergardts zu Wort gemeldet.
Noch ist die Strafanzeige nicht erstattet, die Chance auf eine außergerichtliche Einigung nicht dahin. Dennoch liegen die Positionen im Streit um die Umstände des Bürgerbusch-Verkaufs zwischen den beiden Konfliktparteien zurzeit noch weit auseinander: 120 000 Euro, um genau zu sein.
30 000 Euro hat der Verkäufer des Leverkusener Stadtwalds, der in Kanada lebende Geza von Diergardt, über seinen Anwalt als Kaufpreisnachlass angeboten. 150 000 Euro fordert der Käufer, der Kölner Immobilien-Unternehmer Wilfried Hilgert. Dies bestätigten beide Parteien gestern im Gespräch mit unserer Zeitung.
Bürgerbusch
Etwa 313 Hektar umfassen Bürgerbusch und Scherfenbrandwald – der "Stadtwald" von Leverkusen. Rund 15 davon stehen unter Naturschutz, die gesamte Fläche zudem unter Landschaftsschutz.
Mit Strafanzeige gedroht
Hilgert hatte in der vergangenen Woche mit Strafanzeige und zivilrechtlichen Schritten gedroht, weil er sich betrogen fühlt (wir berichteten). Er hatte unter anderem kritisiert, falsche Angaben zur Größe von Naturschutzflächen und forstlichen Festsetzungen bekommen zu haben, die ihm die Holzwirtschaft im Bürgerbusch deutlich erschwerten.
Außerdem habe von Diergardt ihm ein so genanntes Forstbetriebswerk (eine genaue Auflistung des gesamten Forstbestands) verkauft, das gar nicht existiere und dessen Neuerstellung 20 000 bis 30 000 Euro koste. Und schließlich sei ihm nicht mitgeteilt worden, dass eine Parzelle an einen Tiefbauunternehmer verpachtet sei – keiner wisse, ob dort nicht etwa Altlasten im Boden schlummerten.
Gestern meldete sich der Rechtsanwalt von Diergardts zu Wort, der Düsseldorfer Jurist Michael Heckmann, und bestätigte zumindest zwei der Konfliktpunkte. "Es stimmt, dass das im Vertrag aufgeführte Forstbetriebswerk nicht existiert", räumte er ein. Bei der Abfassung des Vertrags sei ein Fehler unterlaufen. "Gemeint war ein Gutachten, das den Wert des Bürgerbuschs auf rund 3,3 Millionen Euro bezifferte." Das Forstbetriebswerk werde aber zurzeit erstellt.
Was die Angaben zum Natur- und Landschaftsschutz betreffe, so argumentiert der Rechtsanwalt, seien von Diergardt sowie ein Notar und ein Architekt zwar in die Vertragsverhandlungen bzw -abfassungen eingebunden gewesen, offenbar aber nicht die von Diergardtsche Forstverwaltung in Leverkusen.
"Mein Mandant lebt in Kanada", kenne nicht jedes Detail. Hilgert hält dagegen: "Absoluter Quatsch. Herr von Diergardt hat sich die Vertragsentwürfe schicken lassen. Der Passus mit dem Landschaftsschutz wurde eigens eingefügt."
2,2 Millionen Euro beträgt Heckmann zufolge die Kaufsumme, 1,87 Millionen seien bislang bezahlt worden. Da er davon ausgehe, dass Hilgert großes Interesse am Bürgerbusch habe und keinen Prozess wolle, der sich über Jahre erstrecken könnte, glaube er, dass die Chance auf eine Einigung noch immer vorhanden sei.
"Dazu muss sich die Gegenseite jetzt aber bewegen", fordert Hilgert, der betont, seine ursprüngliche Forderung nach einem Preisnachlass von 300 000 Euro bereits um die Hälfte heruntergeschraubt zu haben. Außerdem gebe es nach wie vor das Problem, "dass ich mehrfach vergeblich versucht habe, Herrn von Diergardt und auch seinen Anwalt zu erreichen".
Und noch einen Punkt prangert der Kölner Immobilien-Unternehmer an: "Herr von Diergardt hat noch in erheblichem Umfang Holz schlagen lassen, nachdem der Kaufvertrag schon unterzeichnet war.
Von dem Erlös habe ich aber noch nichts gesehen." Revierförster Karl Zimmermann bestätigte gestern den Holzeinschlag, der aufgrund von Käferbefall notwendig geworden sei. Zum Verbleib des Geldes könne er aber keine Angaben machen.
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