Leverkusen: Bürgerbusch zu verkaufen
VON ULRICH SCHÜTZ - zuletzt aktualisiert: 19.12.2008Leverkusen (RPO). Fehlt noch etwas unter dem Tannenbaum, ein Stück Wald vielleicht? Kein Problem: Momentan stehen der Bürgerbusch und der Scherfenbrandwald zum Verkauf. Nicht ganz billig das Ganze, aber durchaus lohnenswert: Der Bürgerbusch zwischen Alkenrath und Lützenkirchen ist für ca. 2,9 Millionen Euro zu haben. Das Waldstück Scherfenbrand kostet ein wenig mehr, es sind 3,5 Millionen Euro aufgerufen.
Die Diergardsche Forstverwaltung, deren Eigentümer seit langem in Kanada leben, wollen sich von den Nutzwäldern trennen. Der Chef der Familie fühlt sich offenbar langsam zu alt, um den Waldbetrieb aus der Ferne zu verwalten, der Nachwuchs hat wenig oder keine Bindungen nach Leverkusen und deshalb auch kein Interesse, die Waldgebiete zu halten. Früher, in jungen Jahren, sei der „alte“ Diergard noch ab und an zur Jagd gekommen, aber das sei vorbei. Jetzt soll alles über eine Fachfirma in Lohmar verkauft werden.
Dabei, so sagt Forstverwalter Karl Zimmermann, werfen die Wälder durchaus unterm Strich einen Gewinn ab, ein bescheidenes Plus, aber immerhin. Bedeutet: Trotz Pflege- und Verwaltungsaufwand tragen sich die Forstgebiete von selbst.
Für die Jagd ungeeignet
Wer wird die Waldstücke in Schlebusch kaufen? Gibt es ernsthafte Interessenten? „Ich kenne keine“, sagt Zimmermann von der staatlichen Forstverwaltung Königsforst, die für die Diergards die Wälder bewirtschaften. Es gab zwischendurch eine Anfrage, ob man mit den Wäldern eine Rendite von drei Prozent erzielen könne. Aber das war es dann auch.
Für eines seien die Wälder ganz und gar nicht geeignet: als Jagdrevier. „Der Bürgerbusch ist doch eher ein Stadtwald“, stuft Zimmermann ein. Das stimmt. Jogger, viele Spaziergänger oder Radler auf dem Weg zur Arbeit kreuzen durch den Wald, der bequem von Quettingen, Alkenrath und Schlebusch oder Steinbüchel zu erreichen ist. Viele heutige Leverkusener haben in dem Wald schon Hütten gebaut oder Bäche aufgestaut.
Förster Zimmermann liebt dieses Stück wertvolles Grün. „Ich hoffe irgendwie immer noch, dass die Stadt Leverkusen die Wälder kauft. Tatsächlich prüfen der städtische Finanzdezernent Rainer Häusler und andere, ob sich die klamme Stadt Leverkusen den Kauf leisten darf. Wenn ja, dürfte dies eine große Überraschung sein – bei den Schulden, die die Stadt zu stemmen hat (Man denke nur an den Ausbau der Kindergartenplätze mit einem Volumen in zweistelligen Millionengrößen).
Grüne forcieren Kauf des Waldes
Die Ratsfraktion der Grünen macht sich schon stark für einen Kauf des Waldes. Wenn die Stadt dies nicht könne oder dürfe, dann solle man Sponsoren finden und Spenden aus der Bürgerschaft sammeln. Es wäre doch schade, wenn dieser Wald durch intensive forstwirtschaftliche Nutzung beeinträchtigt würde, so die Grünen.
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