Opladen: Bus-Band heizt dem Fahrer ein
VON BRITTA KRAUSS - zuletzt aktualisiert: 08.10.2007Opladen (RPO). Die anstrengendste Show absolvierten bei der 6. Leverkusener Shuttle-Nacht die Musiker von Backyard Poetry. Sie spielten sieben Stunden im Wupsi-Bus, kamen mit Kurvenaller Art zu recht und unterhielten Gäste – und Busfahrer.
Der Wupsi-Shuttle-Bus rollt. In ihm musikverliebte Leverkusener und die Band Backyard Poetry. Bassistin Julia Büttgen hat es sich auf einem Sitz bequem gemacht, das Mikro ist vor ihr festgeklebt. Das Schlagzeug passt gerade so in die Nische gegenüber des Ausstiegs, wo sich auch Sänger und Gitarrist Wolfgang Noethen positioniert haben.
Schon im vergangenen Jahr hatten die Kölner sieben Stunden lang zur 5. Leverkusener Shuttle-Nacht im Bus musiziert – vom Opladener Bahnhof bis hin zum Forum und zurück. „Wie Surfen ist das hier im Bus“, urteilt Wolfgang. Zwei Mal hat es ihn letztes Jahr ins Schlagzeug gehauen, die Bassistin hat Tabletten gegen Seekrankheit im Gepäck. Der Busfahrer sei aber super, wie er de Bus so sanft in die Kurven lege.
900 Nachtschwärmer
Die 6. Shuttle-Nacht in Leverkusen war offenbar noch begehrter als die vorherige. 900 Gäste kamen insgesamt zu den elf Veranstaltungsorten, an denen Musikcombos spielten und später DJs auflegten – per Bus oder auf eigene Faust. Im vergangenen Jahr hatten sich 100 Gäste weniger für die Musiknacht in den Kneipen und Szenetreffs interessiert. Nicht ganz so begehrt war in diesem Jahr allerdings der R’n’B-Sound im Lokal „Sahara“, wie Insider zu berichten wussten.
(Vor-) Singen mit dem Busfahrer
Vom frühen Abend bis 2.18 Uhr muss der durchhalten. Wenn man überhaupt von durchhalten sprechen kann, denn Andreas Seim (22) scheint bester Laune. Zum ersten Mal fährt er den Shuttle-Bus, und das ist schon was anderes als die normalen Linienfahrten. „Die Stimmung ist einfach super“, sagt er strahlend, als er zur kurzen Pause am Bahnhof hält. Ein paar Minuten später geht es wieder weiter.
Eine Gruppe Teenager stürmt mit Bierflaschen in den Händen den Bus, die Band legt los und schon wird getanzt. Los geht die Fahrt in eine der elf Leverkusener Kneipen, die ihre Pforten für die 6. Shuttle-Nacht geöffnet haben: das Che Guebara in der Uhlandstraße, wo Moritz Vogel (18) an der Kasse steht und aushilft. „Dieses Jahr ist noch mehr los als beim letzten Mal“, sagt er. Unten im Keller rocken derweil die Jungs von der Band Tripstone. Der Raum ist voll und die Menge wippt mit, nur in der ersten Reihe geht es etwas wilder zur Sache.
Kontrastprogramm im Pentagon auf der Karlstraße. Hier regieren die gefühlvolleren Klänge. „Lauschbar“ steht auf der Bühne und präsentiert „alternative Popmusik mit lyrischer Sphäre“. Die Stimmung ist entspannt. Da passt es auch, dass die Sängerin zwischen den Stücken Dichter Rainer Maria Rilke zitiert.
Zurück im Bus: Gerade bekommt Sänger Wolfgang ein Bier geschenkt. „Aus Köln“, ruft eine bierselige junge Dame, während Fan Kai das Kölsch öffnet. „Applaus“, fordert Wolfgang und der Bus tobt. Band und Zuhörer verstehen sich prächtig, die Stimmung ist ausgelassen. Auch der Busfahrer wird hochleben gelassen. „Oder steht irgendwo: Während der Fahrt nicht mit dem Fahrer singen?“, fragt Wolfgang ins Mikro.
Plattenspieler auf dem Kickertisch
Im „Bizarre“ auf der Kölner Straße ist mittlerweile das Hamburger „Dragon Crew Soundsystem“ eingetroffen. Auf dem Kicker haben sie die Turntables aufgebaut. Mit über 1000 Platten und einiger Verspätung sind sie angerückt. Sie hätten sich noch „frischmachen“ müssen, scherzen die Jungs, die sich den jamaikanischen Klängen verschrieben haben. Noch ist die Kneipe eher leer, das Trio ist zuversichtlich: „Die meisten kommen erst gegen ein Uhr“, sagt Felix. „So ist das bei uns.“ Und die wird Busfahrer Andreas wohl auch kutschieren.
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