Hitdorf: „Darauf hat das Dorf gewartet“
VON CLAUDIA PROSKE - zuletzt aktualisiert: 14.01.2008Hitdorf (RPO). Dass Nicht-Mitglieder der Hetdörper Mädche un Junge Karten für die diesjährige Kostümsitzung erstehen konnten, war ausgeschlossen. Die Vereinsmitglieder hatten ihr Vorkaufsrecht für den jecken Spaß genutzt.
„Die wenigsten Raucher sterben an Lungenkrebs, die meisten von ihnen erfrieren auf dem Balkon.“ Auf diese These von ne rheinische Lausbub Wolfgang Reich reagierten bei der Kostümsitzung der KG Hetdörper Mädche un Junge vun ’93 e.V. (HMJ) in der Stadthalle am Samstag sowohl Raucher als auch Nichtraucher mit lautem Gelächter und Applaus. Rund 360 Hitdorfer Jecken tummelten sich in der ausverkauften, mit roten und blauen Ballontrauben geschmückten Festhalle.
Wikinger, Cowboys, Superhelden, Clowns und viele originelle Kostüme mehr bewiesen wieder den Einfallsreichtum der Hitdorfer bei der Wahl der Karnevalsoutfits. „Wenn man in Hitdorf lebt, muss man einfach hierher kommen“, fand Marita Harzheim von der Fußtruppe Hetdörper Fründe. Ursprünglich hätten sie und ihre Freunde die Truppe gegründet, um mit den Kindern beim Zug mitzugehen. Nun seien die Sprösslinge alle groß, „aber wir sind immer noch jedes Jahr mit dabei.“
Hitdorf läuft kostümiert
Jungfrau Franka hegt für Hitdorf große sportliche Pläne. Auf der Kostümsitzung ließ er verlauten: Ganz Hitdorf soll beim nächsten Halbmarathon mitlaufen. Das wäre ja noch nicht das Problem. Immerhin hat Hitdorf um seine Seen eine schöne Laufstrecke zum Trainieren. Der Clou an Jungfrau Frankas Aufforderung (oder sagt man besser Herausforderung?): die Hitdorfer sollen sich für die 21-Kilometer-Strecke kostümieren. Dass sie das können, haben sie am Wochenende bewiesen.
Im Westerwald fröstelte es
In der vollbesetzten Stadthalle herrschte schon nach kurzer Zeit beste Stimmung. Beim Auftritt der Karnevalsband die Strossefaejer sprang der Funke schnell aufs Publikum über, und die Jecken kletterten sogleich auf die Stühle, um in luftiger Höhe zu Texten wie „Es war so kalt im Westerwald“ mitzusingen und zu klatschen. Moderiert von den drei Köbessen Walter Gerhard, Vorsitzender der HMJ, Michael Nesseler und Peter Kiewitt, legten die Pittermänncher nach, und von Guido Hoss, Kölns Ex-Prinz Wicki Junggeburt und ne Knallkopp wurden statt der Arm- die Lachmuskeln der Jecken strapaziert. Auch das Hitdorfer Dreigestirn mit Prinz Jupp II., Bauer Markus und Jungfrau Franka gab sich die Ehre.
„Das Dorf hat darauf gewartet, dass jemand so etwas macht“, betonte Hans-Josef Sanner vom HMJ Vorstand. Mit 230 aktiven Mitgliedern und 50 Kindern habe die Gesellschaft keine Nachwuchsprobleme, sondern eher Schwierigkeiten beim Kartenverkauf. „Die Karten werden sozial-verträglich erst den Mitgliedern angeboten“, sagte Sanner. Und diese hätten in diesem Jahr so zugeschlagen, dass keine mehr übrig geblieben seien. 1993 gegründet haben sich die HMJ inzwischen im Dorf etabliert, der Zug in Hitdorf sich zum Publikumsmagneten entwickelt. „Im ersten Jahr hatten wir 5000 Zug-Besucher.“ Inzwischen seien es 40 000 bis 45 000.
„Der Karneval in Hitdorf ist noch ursprünglich“, versuchte Marita Harzheim die Atmosphäre zu erklären. „Hier geht man raus, um Spaß zu haben, statt sich die Kante zu geben.“ Außerdem kenne man sich und könne so auch alleine zum Feiern rausgehen, ohne lange allein zu bleiben.
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