Leverkusen: Das Beerdigen wird teurer
VON ULRICH SCHÜTZ - zuletzt aktualisiert: 07.10.2006Leverkusen (RPO). Der Bund der Steuerzahler NRW übt scharfe Kritik an der Friedhofs-Gebührentaktik der Städte. Die Kosten für eine Beerdigung und eine Grabnutzung seien teilweise zu hoch. Trotzdem will die Stadt Leverkusen die Gebühren erhöhen.
Friedhofswesen
In Leverkusen unterhalten Stadt und Kirchen elf Friedhöfe. Insgesamt dreht es sich um rund 56 Hektar Fläche oder um 0,72 Prozent des Stadtgebietes. Sieben dieser Friedhöfe werden von der Kommune betrieben. Pro Quadratmeter kostet dies den Steuerzahler 5,17 Euro. Umgerechnet entfallen auf jeden Leverkusener Bürger für die Friedhöfe rund 18 Euro jährlich an Unterhaltskosten.
So kostet laut Steuerzahlerbund ein Erdreihengrab in Heinsberg 425 Euro, in Arnsberg werden dafür 3539 Euro fällig. In Leverkusen kostet eine solche letzte Ruhestätte laut Steuerzahlerbund 1348 Euro. Aber nicht mehr lange: Für 2007 kündigte Finanzdezernent Rainer Häusler eine Gebührenerhöhung an. Sie dürfte bei mindestens zehn Prozent liegen. „Wir arbeiten noch an der Berechnung, Zahlen gibt es zur Dezember-Ratssitzung“, sagte Häusler.
Die Kostensteigerung forderte der Regierungspräsident Köln ausdrücklich in seiner jüngsten Finanz-Verfügung an die hoch verschuldete Stadt Leverkusen. Die Leverkusener sollen die Grabgebühreneinnahmen erhöhen und die Ausgaben senken.
Friedhöfe gelten auch als grüne Lungen und Erholungsstätten. Deshalb bezahlen die Kommunen auch einen Teil Friedhofskosten aus den allgemeinen Steuerkosten. In Leverkusen setzte der Stadtrat fest, dass 33,3 Prozent der Friedhofskosten von der Stadtkasse als „städtischer Park-Anteil“ finanziert werden. Diese Prozentsatz sei zu senken, betonte Finanzdezernent Häusler. Bedeutet ganz einfach: Die Stadt zieht sich aus dem Pflegebereich finanziell und tatsächlich zurück. Das fehlende Geld wird von den Bürgern über die Bestattungsgebühren zurückgeholt.
Dieses Abwälzen der Kosten beanstandet der Steuerzahlerbund als Verstoß gegen gebührenrechtliche Grundsätze. (Laut Steuerzahlerbund nehmen die NRW-Kommunen über Friedhofsgebühren jährlich 200 Millionen Euro ein). Durchschnittlich zahlen Angehörige zwischen 2200 und 13 500 Euro für eine Bestattung (Gesamtkosten).
Neben der Gebührensteigerung soll der städtische Fachbereich „Grün“ den Pflegestandard minimieren, aslo die städtischen Ausgaben reduzieren. Der Steuerzahlerbund fordert, schon bei der Anlage eines Friedhofs auf die Folgekosten zu achten – sprich: weniger Bäume bringt weniger Arbeit und Grasflächen müssten weit weniger geschnitten werden als bislang oft üblich. Der Leverkusener Stadtgrün-Chef Hans-Max Deutschle sieht diese Entwicklung mit spürbarer Trauer. Friedhöfe sind für den Naturfachmann auch ein Ausdruck von Kultur. Tatsächlich haben die meisten Leverkusener Friedhöfe einen ausgesprochenen Parkcharakter mit teils seltenen Pflanzen und einer interessanten Tierwelt. Zudem bieten die Friedhöfe einen – so seltsam es klingt – ausgesprochenen hohen Erholungswert. Das Gegenteil vom Leverkusener Friedhofsangebot seien Steinwüsten, wo es nur Grabsteine und Grabeinfassungen gebe, kritisiert Deutschle im RP-Gespräch.
Einige Leverkusener Grabkosten (20 Jahre) laut Angabe des Steuerzahlerbundes:
Reihengrab: 1348 Euro
Wahlgrab: 1688 Euro
Urnengrab: 747 bis 1016 Euro
Baumbestattung/naturnahe Bestattung: 1330 Euro
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