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Leverkusen: Das Ende einer Odyssee

VON LUDMILLA HAUSER - zuletzt aktualisiert: 21.09.2010

Leverkusen (RPO). Mehr als ein Jahr hat der ehemalige DyStar-Schwerbehindertenbeauftragte Heinrich Laqua um seinen Arbeitsplatz gekämpft: Jetzt endete sein aufreibender Leidensweg – mit einer Zusage auf Wiedereinstellung.

Links: In der Zeit nach dem Insolvenzantrag gab es zahlreiche Appelle und Aktionen, in denen vor einer DyStar-Pleite gewarnt wurde. Für Heinrich Laqua (rechts) hatten diese Monate auch persönlich dramatische Folgen.  Foto: RPO
Links: In der Zeit nach dem Insolvenzantrag gab es zahlreiche Appelle und Aktionen, in denen vor einer DyStar-Pleite gewarnt wurde. Für Heinrich Laqua (rechts) hatten diese Monate auch persönlich dramatische Folgen. Foto: RPO

Heinrich Laqua ist endlich angekommen. Nach gut einem Jahr Irrfahrt durch die Welt des Insolvenz- und Arbeitsrechts ist sein Fall geklärt. Und der hatte es in sich.

Im Juni 2009 wollte der Textilfarbenhersteller DyStar (gehörte ehemals zu Bayer) – damals noch nicht in der Insolvenz – dem Mitarbeiter aus der Logistikabteilung kündigen, weil er seinen Arbeitspflichten angeblich nicht mehr nachkommen könne. Das Integrationsamt, dessen Zustimmung DyStar für die Kündigung des Schwerbehindertenbeauftragten Laqua brauchte, lehnte ab. Auftakt zu einem Verwirrspiel, das Heinrich Laqua Nerven kostete.

Info

Chronik

September 2009 stellte der DyStar Insolvenzantrag, ab Dezember wurden u.a. die 383 Leverkusener Mitarbeiter "freigestellt". Mitte Dezember wurde bekannt, dass die indische Firma Kiri Interesse an DyStar hat. Februar 2010: Kiri kauft DyStar.

Vom Ersparten gelebt

DyStar führte ihn als krank, obwohl Laqua kein Attest eingereicht hatte – weil er nicht krank war. Nach sechs Wochen gab's keinen Lohn mehr und auch nichts von der Krankenkasse, weil DyStar ihn zwischenzeitlich dort abgemeldet hatte. Ohne sein Wissen. Als Heinrich Laqua tatsächlich krank wurde, erfuhr er von der Misere. Es folgten eine nicht rechtmäßige Kündigung samt erfolgreicher Klage vor dem Arbeitsgericht. Mittlerweile wurde DyStar vom Insolvenzverwalter betreut.

 Laquas Anwalt Emanuel Mourkojannis erstattete wegen der Kündigung der Krankenkassen-Mitgliedschaft Strafanzeige gegen unbekannt. Die Staatsanwaltschaft ermittelte gegen DyStar-Insolvenzverwalter Stephan Lauberau.

Links: In der Zeit nach dem Insolvenzantrag gab es zahlreiche Appelle und Aktionen, in denen vor einer DyStar-Pleite gewarnt wurde. Für Heinrich Laqua (rechts) hatten diese Monate auch persönlich dramatische Folgen. Foto: RPO

Heinrich Laqua lebte währenddessen vom Ersparten – "und das nach 30 Jahren in der Firma", kommentierte der Pulheimer. Im Frühjahr dieses Jahres dann ein erster Erfolg für den 52-Jährigen: Lauberau ließ die Abmeldung von der Krankenkasse stornieren. Die Pronova hat mittlerweile das ausstehende Krankengeld gezahlt. Die Klage, die Mourkojannis gegen die neue DyStar Colours (die alte Firma wurde von der indischen Firma Kiri übernommen) anstrengte – Inhalt: Im Rahmen des Betriebsüberganges ist auch das Arbeitsverhältnis mit Heinrich Laqua auf DyStar Colours übergegangen – ist nun auch ausgestanden. Die Parteien haben einen Vergleich geschlossen.

Demnach endet Heinrich Laquas Arbeitsverhältnis am 30. November. Vom letzten Stand der Verhandlungen ausgehend, ist er bis dahin freigestellt unter der "Vorzahlung der Vergütung". Außerdem muss DyStar Heinrich Laqua eine Abfindung zahlen, die deutlich über der Regelabfindung liegen soll. Heißt vereinfacht: Heinrich Laqua bekommt netto so viel, wie wenn er bis Anfang 2012 bei der Firma beschäftigt wäre.

Während DyStar dabei bleibt, dass kein Betriebsübergang der insolventen Firma auf die neue Firma stattgefunden hat, war das Unternehmen dennoch bereit, dem Pulheimer eine Wiedereinstellungszusage zu machen – ab dem Jahr 2012. Sollte DyStar dann noch am Standort Leverkusen produzieren, muss Laqua wieder eingestellt werden.

Ob er das noch will, ist eine andere Frage. Seinem Anwalt hatte er während den Verhandlungen anvertraut, dass er sich im Moment nicht vorstellen kann wieder in der Firma zu arbeiten, die ihm nach 30 Jahren Betriebszugehörigkeit so mitgespielt hat.

Quelle: RP

 
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