Leverkusen: Das Navi führte in den Tod
VON STEPHANIE LICHIUS-ENGELS - zuletzt aktualisiert: 08.11.2011Leverkusen (RP). Das Navigationsgerät des 59-jährigen Lkw-Fahrers, der vor drei Wochen mit seinem Laster im Rhein ertrank, wies den Fluss als Landstraße aus. Die Staatsanwaltschaft prüft, ob Ermittlungen gegen den Hersteller eingeleitet werden.
Nun also doch: Das "fehlerhaft programmierte Navigationsgerät" (Polizei) ist nach Erkenntnissen der Behörde die Ursache für einen Unfall in Langel. Ein Lkw-Fahrer (59) aus Schwelm war dort vor drei Wochen in den Rhein gefahren und ertrunken (wir berichteten).
"Es war kein ganz neues Gerät" – mehr will die Polizei zum Hersteller nicht sagen. "Unsere Kollegen hatten erhebliche Schwierigkeiten, ein baugleiches Gerät zu bekommen, weil es nicht mehr so ganz handelsüblich ist", berichtete Sprecher Lutz Flaßnöcker. Das Gerät brauchten sie, um den Unfall zu rekonstruieren. "Sie sind damit die gleiche Strecke abgefahren, die auch der verstorbene Lkw-Fahrer genommen hat."
Ausschlussverfahren
"Eine auf Antrag der Staatsanwaltschaft durchgeführte Obduktion des 59-jährigen Unfallfahrers erbrachte keinen Hinweis auf eine todesursächliche Erkrankung", teilt die Polizei mit. "Bei einem TÜV-Gutachten wurden des weiteren keine technischen Mängel am Lkw festgestellt." Die Polizei appelliert: "Eine kritische Beurteilung der empfohlenen Fahrstrecke ist auch bei technischen Hilfsmitteln zwingend notwendig."
Rhein als Landstraße ausgewiesen
Das erschreckende Ergebnis: Weder akustisch noch optisch wird auf den Fähranleger hingewiesen. Ganz im Gegenteil. Flaßnöcker: "Das Gerät führte schnurstracks in den Rhein. Es sagte den Kollegen, dass sie in 600 Metern links abbiegen sollten. Dass davon aber 400 Meter im Fluss lagen, wurde nicht angezeigt.
Vielmehr war der Rhein sogar als Landstraße gekennzeichnet." Bereits vor fast genau einem Jahr (16. November 2010) hatte es an der gleichen Stelle einen ähnlichen Unfall gegeben. Ein ortsunkundiger Autofahrer war ebenfalls von seinem Navi in den Rhein gelenkt worden. Damals gelang es dem Pkw-Fahrer und seinem Beifahrer, sich ohne fremde Hilfe aus dem Auto zu befreien.
"Nachdem nun in beiden Fällen Navigationsgeräte eine wesentliche Rolle spielten, haben wir bei der Stadt Köln angeregt, die Örtlichkeit im Bereich des Fähranlegers erneut zu betrachten und geeignete Maßnahmen zu treffen, damit weitere Unfälle verhindert werden können", sagt der Polizeisprecher.
Das hat die Stadt auch getan und – quasi als Sofort-Maßnahme – noch ein Schild mit der Bezeichnung "Vorsicht Ufer" aufgestellt. Sprecherin Inge Schürmann: "Zwei weitere Schilder mit selbstreflektierender Folie sind in Auftrag gegeben. In Höhe der Gaststätte und weiter runter zur Fähre werden jeweils zwei sogenannte "Bremskissen" installiert.
Durch diese Hubbelbretter werden die Autofahrer so abgebremst, "dass sicher niemand mehr in den Rhein fahren wird", ist sich Schürmann sicher. Außerdem werde derzeit geprüft, ob man die Straße durch das Aufstellen von Baken so massiv verschwenken kann, dass Autofahrer gezwungen sind, eine enge Kurve zu fahren. Beim Ortstermin stellte der RP-Fotograf allerdings fest, dass das eiligst aufgehängte Schild zu weit von der Straße weg und zu hoch hängt.
Staatsanwaltschaft prüft
Ob der Unfall strafrechtliche Konsequenzen haben wird, klärt nun die Staatsanwaltschaft. Ein Sprecher: "Wir prüfen, ob wir gegen den Hersteller ein Ermittlungsverfahren einleiten." Der Fähranleger Hitdorf-Langel existiert seit 1962.
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