Leverkusen: "Demenztage" klären auf
VON STEPHANIE LICHIUS-ENGELS - zuletzt aktualisiert: 09.11.2010Leverkusen (RPO). Ist das noch Tüddeligkeit? Oder sind es erste Anzeichen von Alzheimer? Warum die Diagnose schwierig ist und die Schulung der Angehörigen so wichtig, darüber klären die "Demenztage" auf. Das Ziel: Das Thema enttabuisieren.
Demenz – für Betroffene, aber auch Angehörige, eine Horrordiagnose. Sofort hat man Menschen vor seinem geistigen Auge, die sich nicht mehr alleine anziehen können, die behaupten, bestohlen worden zu sein, die ihre Ehepartner und Kinder nicht mehr erkennen und alles vergessen.
Viele gehen zu spät zum Arzt
Dass das so nicht sein muss, darüber sollen die Leverkusener Demenztage vom 17. bis 20. November aufklären. Denn: Wenn die Diagnose früh genug gestellt wird, lässt sich das Fortschreiten der Krankheit mit Hilfe von Medikamenten um bis zu zwei Jahre verlangsamen. Außerdem gehe es den meisten Menschen auch mit fortgeschrittener Krankheit noch sehr gut. Wenn man bestimmte Spielregeln beachte. Das sagt Änne Türke vom Demenz-Servicezentrum NRW, Region Köln. "Die Erfahrung zeigt aber, dass die Menschen, wenn sie zum ersten Mal zum Arzt gehen, schon seit vier Jahren oder länger Symptome haben."
Die Demenztage
Wann? 17. bis 20. November
Was? Das ausführliche Programm gibt es im Internet unter
Wo? An verschiedenen Veranstaltungsorten.
Weitere Infos erteilt Christa Marsen vom städtischen Fachbereich Soziales unter % 406 5059.
Das weiß mittlerweile auch Sozialdezernent Frank Stein. Denn auch in seinem Umfeld gibt es jemanden, der an Demenz erkrankt ist, wie Stein gestern erzählte. "Der Mann und seine Ehefrau haben lange versucht, die Symptome zu verbergen und es erstmal auch geschafft, weil sie alleinstehend auf dem Land wohnen. Für die Frau war das ein mehrjähriges Martyrium." Selbst die Verwandten könnten es oft nicht akzeptieren, wenn jemand "tüddelig" werde und würden dann oft mit dem Betroffenen schimpfen.
Dabei gebe es doch vieles, was man machen könne. Für den Kranken selbst, aber auch und vor allem für seine Familie. "Denn die sehen leider vor allem das, was der Betroffene nicht mehr kann", erklärt Türke. "Man sollte den Kranken aber vielmehr in dem bestärken, was er noch kann."
"Tüddelich, vergesslich, starrsinnig – oder doch krank?" lautet einer der Vorträge der Demenztage. Außerdem gibt es Tipps für den Alltag, ein Frühstück, eine Info-Veranstaltung zu Sport- und kreativen Angeboten für Betroffene, eine weitere Info zum Thema "Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung, Betreuungsverfügung", eine Modenschau und vieles mehr. Im Kinopolis wird am 19. November um 10 Uhr kostenlos der Film "Eines Tages..." gezeigt. Die Info-Veranstaltung "Demenz – was tun" wird außerdem auch auf türkisch, russisch und polnisch angeboten.
Angebote auch für Jüngere
Änne Türke: "Die Angebote richten sich auch an jüngere Menschen, die sich zunehmend mit dem Thema auseinandersetzen müssen, weil sie auch zunehmend damit konfrontiert werden. Denn die Menschen werden immer älter – und der Hauptrisikofaktor für eine Demenz ist das hohe Lebensalter."
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