Leverkusen: Denken lohnt sich
VON MONIKA KLEIN - zuletzt aktualisiert: 25.10.2008Leverkusen (RPO). Mit seinem neuen Programm gastierte Vince Ebert im ausverkauften Agam-Saal. Mit der Genauigkeit eines diplomierten Physikers ging er den Dingen nach.
Noch mehr Denken
Sein neues Programm „Denken lohnt sich“ präsentiert Vince Ebert an diesem Wochenende auch in Köln. Heute und morgen tritt er jeweils um 20.15 Uhr im Senftöpfchen auf.
Neu hat er gerade das Buch herausgebracht „Denken Sie selbst! Sonst tun es andere für sie“. Auch darin geht er Fragen nach, die die Welt noch nicht bewegten. Etwa, was in den Hirnen von Verliebten vor sich geht oder wer eher verrückt spielt, Klima oder Klimaforscher.
Die Fähigkeit zum Denken zeichnet den Menschen aus. Aber macht ihn diese Fähigkeit wirklich zur Krone der Schöpfung, oder ist sie nicht viel mehr hinderlich im alltäglichen Geschäft? Eine grundlegende Frage, der unbedingt mal ernsthaft nachgegangen wurde. Vince Ebert ging der Sache nach, mit der Genauigkeit eines diplomierten Physikers, der sich mit Dingen wie Beweisführung und anschauliche Versuche bestens auskennt.
Fritz als Bezugsgröße
Als „Urknaller“ war der excellente Vertreter des seltenen Genres „Wissenschaftskabarett“ bereits vor zwei Jahren in der Kolonie Eins in Wiesdorf zu Gast. Dieser Raum platzte damals schon aus den Nähten, Jetzt füllte der wortgewandte, urkomische Wissenschaftler mit seinem neuen Programm „Denken lohnt sich“ den ausverkauften Agam-Saal.
Und dort hatten alle ihren Spaß, nicht nur Fritz in der ersten Reihe, den der gelehrte Entertainer frühzeitig als seine Bezugsperson auserkor. Eigentlich muss man sagen Bezugsgröße, denn Vince Ebert ist durch und durch Wissenschaftler. Und der braucht eine Kontrollgruppe, wenn er die Beweisführung antritt, der schließlich zum Ergebnis „Denken lohnt sich“ führt.
Fritz Aufgabe als Kontrollgruppe bestand schlichtweg darin, an diesem Abend nicht zu denken. Um das zu erleichtern wurde er von Vice Ebert mit frischem Bier und schalen Witzen versorgt. Trotzdem war nach zwei Stunden Programm kein nennenswerter Unterschied zwischen Fritz und dem übrigen Publikum festzustellen, außer seiner weniger trockenen Kehle vielleicht. Auch dieses Phänomen wurde schließlich erklärt.
Der Mensch denkt von allein. Das Gehirn tut zu mehr als 90 Prozent was es will und knüpft beständig neue Verbindungen. Ein Automatismus, der sich allenfalls mit Alkohol, Drogen, Meditationsseminaren oder einfach mal Fernsehen beeinflussen lasse.Es waren ausgesprochen lehrreiche Stunden, die Vice Ebert seinen Zuhörer im Agam-Saal bescherte.
Vor allem deswegen, weil er ganz normale gesellschaftliche Phänomene so einleuchtend mit den verrücktesten Beispielen zu erklären vermag oder aber auch gerne mal einfach ein physikalisches Experiment einfach missbraucht, um beispielsweise den gleich geschalteten Kaufzwang bei Individuen zu erklären.
Spagat in enormem Tempo
Vier identische Metronome, die auf unterschiedliche Tempi eingestellt sind, schlagen verschieden schnell. Es sei denn, man stellt sie wie Ebert hintereinander auf eine Schaukel, dann pendeln sie nach einer Weile im Gleichmaß. Eine schlagende Erklärung für menschliches Verhalten.
In enormem Tempo reihte Vince Ebert bei seinem Spagat zwischen solider Wissenschaft und zündender Unterhaltung die Pointen aneinander.
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