Alkenrath: Der Extrem-Radler
VON SABINE WOTZLAW - zuletzt aktualisiert: 21.01.2009Alkenrath (RPO). Thomas Quiring können Witterung und Wildschwein kaum schrecken. Dem einen begegnete er täglich, dem anderen oft auf den 36 Kilometern zur Arbeit und wieder zurück , die er auf dem Drahtesel zurücklegt.
Jeden Morgen um viertel nach vier klingelt der Wecker. Draußen ist es dunkel. Thomas Quiring zieht sich an, packt seine Sachen zusammen und setzt einen Helm auf. Um kurz vor fünf schwingt er sich auf sein Mountainbike. 36 Kilometer liegen vor ihm. Von Alkenrath aus, vorbei an der Gezelinkapelle über die Opladener Straße, die Oulubrücke und die Tempelhofer Straße fährt er auf die B 51 Richtung Remscheid-Bergisch Born. Dort biegt Quiring rechts nach Radevormwald ab, wo er als Sicherheitsingenieur in einer Kranbau und Kranservicefirma arbeitet. Gegen 6.45 Uhr erreicht der 40-Jährige, der zusammen mit seinen Eltern unter einem Dach lebt, seinen Arbeitsplatz im Industriegebiet von Radevormwald. "Eigentlich muss ich erst um acht Uhr anfangen, aber falls ich mal eine Panne habe, plane ich lieber eine Stunde mehr ein", erzählt der Ingenieur. Abends um 17.30 Uhr fährt er über Dabringhausen, Altenberg und Blecher zurück nach Hause. "Die Route ist verkehrsärmer."
Der ADFC
Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub, kurz ADFC, wurde 1979 in in Bremen in einer Art Küchenversammlung gegründet und sieht sich selbst als Verkehrsclub, Verbraucherschutzorganisation und verkehrspolitischer Verein. Mittlerweile hat der ADFC über 115 000 radbegeisterte Mitglieder.
Tut gut und kostet wenig
Zwölf Jahre arbeitet Quiring schon in der Kranbaufirma in Radevormwald. Fast jeden Morgen radelt er zur Arbeit. "In diesem Jahr bin ich vielleicht zweimal mit dem Auto gefahren." Von der schönen Landschaft bekommt Quring im Herbst und Winter nicht viel mit, weil er meist im Dunkeln unterwegs ist. Auf dem Rückweg kann er fast ein halbes Jahr auf Scheinwerfer verzichten und die Landschaft genießen. Viele Tiere begegnen ihm auf seiner Route. "Oft überqueren Wildschweine oder Rehe direkt vor mir die Fahrbahn."
Nach einer Schmelzschweißerlehre bei Bayer machte Quiring sein Fachabitur nach, studierte fünfeinhalb Jahre Sicherheitstechnik in Wuppertal. Bis 2002 arbeitete er im Außendienst, schließlich wechselte der Sicherheitsingenieur in den Innendienst der Radevormwalder Kranbaufirma. Von morgens bis abends sitzt der 40-Jährige im Büro. "Die Fahrt mit den Rad ist ein schöner Ausgleich, macht den Kopf frei". An den Wochenenden nimmt Quiring regelmäßig an Radtouren in der Umgebung teil, ist seit 1998 ADFC-Mitglied, leitet für den ADFC Remscheid häufiger Radtouren, meist durchs Bergische Land oder Sauerland. Der Mann liebt sein Fahrrad wirklich.
Schon als Kind sei er mit dem Drahtesel zur Schule gefahren, erinnert er sich. 18 000 Kilometer legt Quiring jedes Jahr mit seinen drei Trekking-Rädern und zwei Mountainbikes, die alle für den Arbeitsweg im Einsatz sind, zurück.
Mit seinem Ford Fiesta fahre er vielleicht 600 Kilometer pro Jahr. "Das Auto steht oft Monate rum, die Bremsen rosten, ich habe mir schon überlegt, Car-Sharing zu machen, mir mit mehreren Leuten ein Auto zu teilen. Das ist gut für die Umwelt und das Autofahren wird für mich billiger." Hin und wieder kommt es auf Quirings Arbeitswegen zu Pannen. Vor ein paar Jahren hatte er im Winter einen platten Reifen. "Es ist gar nicht so einfach, bei minus 15 Grad einen Fahrradreifen zu flicken", erzählt der Extrem-Radler. Da er damals erst 20 Minuten unterwegs war, sei er mit dem kaputten Reifen vorsichtig zurückgefahren. "Mein Vater war dann so nett und hat mich mit dem Auto zur Arbeit gefahren, damit ich pünktlich da ankam."
Verschlissene Bremsklötze, durchgebremste Hinterradfelgen oder verschlissene Halogenbirnchen: Reparaturen erledigt Quiring an den Wochenenden. Wegen des hohen Verschleißes ist der Radler vor einiger Zeit auf Diodenlampen umgestiegen. "Da hält eine Birne bis zu 200 000 Stunden, mein Verbrauch ist seitdem erheblich gesunken." Hin und wieder müssen die Räder auch geputzt werden. Ein Job, den Quiring nicht gerne tut.
Kein Leben ohne Fahrrad
Auch in Qurings Urlauben dreht sich alles ums Rad. 2008 hat der Alleinstehende zusammen mit mehreren Bekannten, die er durch den ADFC kennen gelernt hat, eine Radtour durch die belgischen Ardennen gemacht, 2207 war er zwei Wochen mit dem Fahrrad in den französischen Alpen unterwegs. Auch sonst bestimmt der Sport sein Leben. Mit 19 Jahren hatte Quiring einen Bandscheibenvorfall. Seitdem geht er regelmäßig ins Fitnessstudio, macht Ausgleichsgymnastik.
Die Begeisterung fürs Radeln liegt bei den Quirings in der Familie: Seine beiden Brüder – einer lebt mit Familie in Dänemark, der andere in Hitdorf – sind ebenfalls meistens auf zwei Rädern unterwegs. "Beide fahren täglich 20 bis 30 Kilometer mit dem Drahtesel", berichtet der fünffache Onkel. Sein ganzer Stolz ist Paul, der siebenjährige Neffe aus Hitdorf. "Wir unternehmen viel zusammen, gehen schwimmen." Die Frau fürs Leben hat Thomas Quiring noch nicht gefunden. Für sie würde er sich einschränken. Ein Leben ohne Fahrrad geht aber nicht. Er sei beruflich nervlich angespannt,d as Radeln entspannt. "Ich liebe die Ruhe, die Bewegung und die Landschaft."
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