Leverkusen: Der Hitler-Attentäter Elser
VON MONIKA KLEIN - zuletzt aktualisiert: 28.01.2011Leverkusen (RPO). Zum Holocaust-Gedenktag am 66. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz wurde gestern im Forum eine Ausstellung über den lange verkannten Widerstandskämpfer Georg Elser eröffnet.
Den Namen Graf Stauffenberg als Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus kennt jeder. Außerdem lernte man in der Schule, dass es vorher bereits ein missglücktes Attentat auf Hitler im Münchner Bürgerbräukeller gegeben hat. Der Name des Einzeltäters, Georg Elser, ist viel weniger bekannt. Wohl auch deswegen, weil erst 1970, durch die Veröffentlichung eines Vernehmungsprotokolls der Gestapo die Beweggründe des Mannes ans Licht kamen. Seit gestern wird im Forum eine Ausstellung über den Hitler-Attentäter aus der Schwäbischen Alp, der lange als Spinner oder gar als "Werkzeug der Nazis" galt, gezeigt.
Film über Georg Elser
Die Ausstellung über Georg Elser ist noch bis zum 16. Februar in der Galerie im Forum zu sehen. Öffnungszeiten: täglich von 9 bis 17 Uhr und zu Veranstaltungen.
Die Verfilmung der Geschichte des Widerstandskämpfers "Georg Elser – Einer aus Deutschland" wird am Donnerstag, 10. Februar, um 19 Uhr im Kommunalen Kino im Forum gezeigt.
Nur elf Minuten zu spät
Oberbürgermeister Reinhard Buchhorn eröffnete die Text- und Bilderschau, die ausführlich über das Leben des 1903 in Königsbronn geborenen Georg Elser Informationen gibt, und führte damit eine Tradition fort. Seit 2002 realisiert die Volkshochschule Leverkusen jedes Jahr zum Holocaust-Gedenktag am 27. Januar eine Ausstellung. Dieses Mal bezog sie das Material von der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin.
Der Journalist Ulrich Renz, der ehrenamtlich in der Georg-Elser-Gedenkstätte in dessen Heimatort Königsbronn arbeitet, gab eine Einführung in die Schau. Die beleuchtet die Lebensumstände des einfachen, von ehemaligen Kollegen als "arbeitsam, ruhig und solide" charakterisierten Mannes, der in einfachen Verhältnissen aufgewachsen ist und eine Schreinerlehre machte.
Nach eigenen Angaben fasste der freiheitliche Sozialist ohne Parteizugehörigkeit bereits 1938 den Entschluss, Hitler, Göring und Goebbels umzubringen. Sehr genau plante er seinen Anschlag, behielt sein Vorhaben jedoch ganz für sich. "Er wollte keine Mitwisser, um niemanden zu gefährden", erklärte Ulrich Renz gestern in seinem Einführungsvortrag. "Aber so blieben auch seine Antriebe verborgen."
Das führte dazu, dass Elser, der übrigens erst 1950 für tot erklärt wurde, zunächst als verwirrter Einzeltäter galt – bis eben nach 1970 die Wahrheit aufgerollt wurde. Dass der als Perfektionist geltende Tischler schwer zu fassen ist, merkte man auch 1988/89 bei der Verfilmung seines Lebens, bei der Klaus Maria Brandauer die Regie führte und zugleich die Hauptrolle spielte.
Hinrichtung in Dachau
Georg Elser platzierte seine Bombe am Rednerpult im Münchner Bürgerbräukeller, wo der Führer zum Jahrestag des Putschversuchs von 1923 sprechen sollte. Doch der hatte den Raum bereits elf Minuten vor der Detonation verlassen. Elser hatte sich eigentlich rechtzeitig in Sicherheit gebracht, wurde aber von Zöllnern beim illegalen Grenzübertritt in die Schweiz gefasst. Er kam zunächst ins Konzentrationslager Sachsenhausen und wurde am 9. April 1945 in Dachau hingerichtet.
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