Leverkusen: Derdiyok spricht mit Schülern über Migration
VON INA LAUER - zuletzt aktualisiert: 15.11.2010 - 17:07Leverkusen (RPO). Als Schweizer Nationalspieler mit türkischem Migrationshintergrund weiß Bayer-04-Spieler Eren Derdiyok, was Integration bedeutet. Im Rahmen des Projekts „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, das das Fanprojekt Bayer04 unterstützt, stellte sich der 22-Jährige am Montagmittag den Fragen der 59 Schüler des Städtischen Berufskollegs.
Ganz in Schwarz mit Lederjacke und T-Shirt betritt Eren Derdiyok den Presseraum bei Bayer 04. Dort erwarten ihn bereits die Berufskolleg-Schüler. "Sexy", haucht eine Schülerin heimlich in eines der Mikrofone an den Pressetischen. Als der weibliche Teil der Schüler jedoch im Gespräch mit dem Schweizer Nationalspieler erfährt, dass der 22-Jährige bereits verlobt ist, folgt ein bedauerndes "oh".
Haupthema an diesem Tag ist jedoch Integration und Diskriminierung. "Was die Gesellschaft akzeptieren muss, ist die Religion", sagt Derdiyok. Dieser Meinung teilt Adem Taka, Projektleiter für Migration am Städtischen Berufskolleg. Denn Integration sei ein Lehr- und Anpassungsprozess des Einzelnen. Dabei solle man jedoch nicht seine Muttersprache und Religion ablegen. Für den Lehrer sind außerdem positive Vorbilder wichtig - so eines sei Derdiyok: "In der Kooperation mit dem Fanprojekt Bayer 04 haben wir uns bewusst für Derdiyok entscheiden. Er ist türkischabstämmig und das ist auch ein Großteil unserer Schüler."
"Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage"
Mehr als 800 Schulen nehmen an dem Projekt "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" teil. Eine davon ist das Städtische Berufskolleg. Die Schimrherrschaft hat das Fanprojekt Bayer04 übernommen. Das Gespräch mit Derdiyok bildete den Auftakt einer Zusammenarbeit.
Derdiyok spricht deutsch, türkisch und franzöisch. Doch wie verständigt er sich denn mit seinen Mitspielern, die nicht deutsch sprechen, wollen die Schüler wissen. „Wenn es darauf ankommt, sprechen wir auf dem Platz Englisch. Sami Hyypiä versteht viele Sprachen. Arturo Vidal hingegen nur Spanisch, aber anstatt dass er Deutsch lernt, lernen wir anderen Spanisch“, erzählt Derdiyok aus dem Multi-Kulti-Vereinsleben und lacht. So funktioniere Integration. Anpassungsschwierigkeiten bei Bayer 04 habe der ausländische Spieler nicht. Die habe er auch während seiner Schulzeit nicht gehabt: „Ich war zwar kein guter Schüler, aber ich habe mich immer angepasst. So wurde ich integriert.“
Auf die Frage eines Schülers, ob sich der Fußballer als Schweizer oder Türke fühle, antwortete Derdiyok: „Die Schweiz ist mein Heimatland, ich spreche aber beide Sprachen. Außerdem kam das Angebot der Schweizer Nationalmannschaft eher als das aus der Türkei.“
Mehr von der Pressekonferenz mit Derdiyok gibt es im Video.
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