Leverkusen: Die Anbetung des Herrn Richter
VON MONIKA KLEIN - zuletzt aktualisiert: 17.10.2008Leverkusen (RPO). Zum ersten Mal wurde der Werkgruppe „Übermalte Fotografien“ von Gerhard Richter eine komplette Ausstellung gewidmet. 500 dieser Arbeiten sind seit gestern im Museum Morsbroich zu sehen. Parallel zeigt das Museum Ludwig in Köln 38 seiner großformatigen Gemälde.
Es war wie „Warten auf...“, nein nicht Godot, sondern mindestens auf irgendeine Hollywood-Größe. Journalisten und Fotografen drängten sich gestern Mittag im Schloss und setzten sich brav in Reihen. Normalerweise kommt im Museum Morsbroich zu Vorbesichtigungen nicht mehr als eine große Tischrunde zusammen. Dann kam Gerhard Richter, nahm still auf dem Podium Platz und wartete geduldig ab, bis alle Fotografen zufrieden waren. Die fachlichen Erläuterungen überließ der wortkarge Erfolgskünstler gerne dem Hausherrn, Dr. Markus Heinzelmann, der die Werkgruppe der Übermalten Fotografien kunsthistorisch aufgearbeitet hat.
Souvenirs in Privatbesitz
Und bei der Gelegenheit wies er darauf hin, dass es bereits eine lange Beziehung zwischen Morsbroich und Richter gibt, dessen „Tiger“ bereits 1965 für die Sammlung angekauft wurde. Die umfasst heute 78 Richter-Werke in verschiedenen Techniken, Fotoübermalungen sind allerdings nicht dabei. Davon sind ohnehin die wenigsten in Museumsbesitz, die meisten sind in Privatbesitz, was die Realisierung der Ausstellung für Heinzelmann nicht gerade einfach machte. Die Schenkungen und Käufe wurden nicht dokumentiert, was zunächst eine umfangreiche Recherche erforderte. Seit 1989 verließen übermalte Fotografien das Atelier Richters. Zunächst als „Souvenirs“, erklärte gestern der Künstler, der äußerst zufrieden ist mit dem Rahmen, den das barocke Schloss für seine kleinen Formate bildet.
Öffnungszeiten
Die Ausstellung „Gerhard Richter – Übermalte Fotografien“ ist bis zum 18. Januar im Museum Morsbroich, Gustav-Heinemann-Straße 80, zu sehen. Geöffnet dienstags 11 bis 21 Uhr, mittwochs bis sonntags 11 bis 17 Uhr und während der 4. Leverkusener Kunstnacht am 24. Oktober von 17 bis 24 Uhr. Führungen sonntags 15 Uhr.
Der Katalog (392 Seiten) mit 470 Farbabbildungen kostet 39,80 Euro. Finanziert wurde die Ausstellung, die anschließend ins Centre de la Photographie Genève wandert, durch Lanxess und NRW.
Dazu benutzt er keine Kunstfotografien, sondern ganz normale Alltagsaufnahmen privater Art, aus dem Urlaub oder dem Arbeitsprozess. Damit gibt diese Ausstellung einiges preis von der sonst so gehüteten Privatsphäre. Bilder von der Geburt seines Kindes, von seiner stillenden Frau oder der eigenen Hahnwald-Villa. Eigentlich ist es Ausschuss, der nicht wert war, ins Fotoalbum geklebt zu werden. Diese Abzüge veränderte Richter mit Farben, die nach einem Arbeitstag noch an seinem Rakel klebten, mit denen er die die großen abstrakten Formate spachtelte. Und da gibt es einen direkten Bezug zur Parallelschau in Köln. Entweder drückte er die Fotos in die Farbe, die beim Abziehen ein charakteristisches Geflecht und manchmal tiefe Krater hinterließ. Oder er zog sie durch die nasse Farbe, was einen anderen Effekt erzielt. Wie er zu dieser Technik gekommen ist? Zu Beginn sei es Zufall gewesen, wenn ihm beim Farbabgleich die Ergebnisse gefielen so Richter. „Ist da ein Foto in die Farbe gefallen?“ wollte ein Journalist wissen. Richter: „So ungefähr!“
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