Leverkusen: Die Angst geht in Wiesdorf um
VON MANFRED SCHWEIG - zuletzt aktualisiert: 18.01.2008Leverkusen (RPO). Die Ortsverbände von CDU und SPD luden Mittwochabend im Restaurant Kulisse am Erholungshaus zu einer Diskussionsrunde zum Thema Sicherheit in Wiesdorf. Dabei kamen alarmierende Beobachtungen zutage.
Was die Wiesdorfer am Mittwoch zur Sprache brachten, erinnerte an kriminelle Machenschaften in Großmetropolen. Von organisiertem Verbrechen war ebenso die Rede wie von Wettmafia und Drogennetzwerk. Wiesdorf ist das Zentrum der Stadt. Daran aber, ob dieses Zentrum auch sicher ist, hatten die 60 Gäste der Veranstaltung zu „Sicherheit in Wiesdorf“ erhebliche Zweifel.
Die Ortsverbandsvorsteher Frank Schöneberger (CDU) und Jürgen Scharf (SPD) hatten zum Thema geladen. Neben ihnen nahmen Frank Stein, Dezernent für Recht und öffentliche Ordnung, sowie Wolfgang Elbracht, Leiter der Polizeiinspektion Leverkusen, auf dem Podium Platz. Letztgenannte waren sich einig, dass Leverkusen zwar keine Idylle, aber eine im Grunde sichere Stadt sei. Die Übrigen sahen das anders.
Kompetenzbereiche
An den weiterführenden Schulen sowie in der 4. Grundschulklasse werden die Bereiche Arbeits- und Sozialverhalten auf dem Zeugnis in jeweils drei zugehörigen Kompetenzbereichen aufgeführt.
Das sind Leistungsbereitschaft, Zuverlässigkeit/Sorgfalt sowie Selbständigkeit, Konfliktverhalten und auch Kooperationsfähigkeit.
Gewaltandrohung und Pöbelei
Beim neuralgischsten Punkt, der nur „die Großfamilie aus der Kaiserstraße“ genannt wurde, waren heftige Emotionen im Spiel. Laute Musik und ausschweifende Parties waren dabei noch die kleinsten Beschwerden. Mutwillige Sachbeschädigung, Pöbeleien auf dem Heimweg, aber auch konkrete Androhungen und Anwendung von Gewalt waren dann schon von anderem Kaliber. „Ich habe bei Dunkelheit Angst, meine Wohnung zu verlassen“, klagte eine Anwohnerin.“
Die Polizei reagierte stets mit derselben Antwort. „Solange aus der Bevölkerung keine Anzeigen eingehen, können wir nicht tätig werden, wir sind da sozusagen beide aufeinander angewiesen“, so Elbracht. Den Einwand vieler Bürger, dass sie aus Angst vor darauf folgenden Repressalien darauf verzichteten, konnte er damit nicht entkräften. Viele Wiesdorfer erhoffen sich vielmehr verstärkte polizeiliche Präsenz als Abschreckung, auch hier versicherten Verwaltung und Polizei ihr Möglichstes zu tun.
Jürgen Scharf forderte indes mehr Zivilcourage. „Wer wegschaut hat schon verloren, denn er duldet in seiner Umgebung rechtsfreie Bereiche und muss dann auch damit leben. Solchen Problemen muss man als Gemeinschaft entgegentreten“, meinte Scharf. Wie gewichtig die Problematik an der Kaiserstraße sein muss, zeigte sich am Mittwoch auch an der Länge der Diskussion dieses Punktes: eineinhalb Stunden wurde das Problem eingekreist.
Daneben kam das zweite Krisengebiet zur Sprache: die untere Hauptstraße. „Hier wird am helllichten Tag auf offener Straße mit Drogen gedealt“, berichtete eine entsetzte Anwohnerin, deren Aussage noch mehr Brisanz erhielt, als von regelmäßigen Funden weggeworfener Spritzen auf dem Gelände der Grundschule Dönhoffstraße die Rede war. Die Antwort von Udo Benfer, der als Leiter des Kriminalkommissariat Leverkusen ebenfalls anwesend war, lautete: „Die Lage ist uns bekannt, wir sind sehr bemüht, es in den Griff zu kriegen.“
Immerhin kündigte Scharf an, es werde weitere Diskussionsveranstaltungen dieser Art in naher Zukunft geben.
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