Leverkusen: Die Heimat von Papa Joe's Jazzmen
VON INA LAUER - zuletzt aktualisiert: 24.09.2010Leverkusen (RPO). Bei Erdnüssen und Kölsch fühlt man sich in die 50er Jahre versetzt, wenn arrangierte Stücke zu Kenny Ball oder Chris Barber erklingen. Seit 25 Jahren machen das die sechs Jazzmusiker nun schon so. Und wo hätte die Geschichte der Band besser beginnen können als in der Jazzkneipe, in der ehemalige Bassist vorschlug, sich nach eben jener Altstadt-Kaschemm zu benennen – in "Papa Joe's Jazzmen".
Und doch: "Papa Joe's Jazzman oder Jazzband wäre einfacher gewesen", sagt der Opladener Didi Zander, seines Zeichens Bandleader und Trompeter der sechsköpfigen Dixieland-Truppe, "Für die Deutschen ist der englische Plural "men" zu schwer zu sprechen", erklärt er in breitestem Kölsch. Doch 25 Jahre heißt die Hausband bereits so, 40 Jahre nennt sich die Altstadtkneipe "Papa Joe's Jazzlokal" ( vormals nur "Em Streckstrump" und zeitweise Vereinslokal der Roten Funken). An der Außenfassade erinnert immer noch ein strickender Funke aus Blech an die karnevalistische Vergangenheit. Doch mit diesem alten Namen würden Jazzfans kein Jazzlokal verbinden, schon gar keine Leute, die nicht des Rheinischen mächtig sind, findet Bandleader Zander.
Trompeten unter der Decke
Im Inneren erinnert jedenfalls nichts mehr an Karneval. Von der Decke hängen Trompeten, die über Kneipentischen Licht spenden, und auf der Bühne erklingen die ersten Takte von "My blue Heaven". Die Kneipenbesucher der oberen Ränge beugen sich neugierig herunter – der ältere Herr an der Seite summt laut mit und seiner Frau ins Ohr – zwei junge Männer mit Lederjacke drängen sich schnell noch ins Lokal. Bei Papa Joe's Jazzmen füllt sich die Kneipe – so wie jeden zweiten und vierten Donnerstag im Monat. Nach 25 Jahren ist das Gründungslokal für Didi Zander ein "Stück seines Lebens" geworden. "Wenn sie den Schuppen bei Tageslicht sehen, würden Sie denken 'Oh Jott, oh Jott'. Doch ich möchte das nicht missen", erklärt er und betont damit seine Verbundenheit. Genauso, wie er nicht die Musik mit seiner Band aufgeben könnte.
Anfangs nur drei Stücke
"Vor 52 Jahren habe ich mit der Musik angefangen, als mir ein Sandkastenfreund eine Trompete geschenkt hat. Da war der Virus drin. Ich han jeübt und jeübt und han jeblase wie en Weltmeister", sagt der 67-Jährige Opladener und lässt dabei wie so oft seine kölsche Mundart durchklingen. "Doch anfangs konnte ich nur die drei Stücke Down by the waterside, Icecream und When the saints go marchin' in. Und wenn ich nach einer Zugabe gefragt wurde, war ich aufgeschmissen."
Das kann ihm mit seiner Band jetzt nicht mehr passieren. Bei drei Stücken bleibt es an jenem Abend nicht, das Repertoire von Papa Joe's Jazzmen reicht von bekannten Dixieland-Evergreens über fetzige Swingmelodien bis hin zu Stücken der großen Jazzkomponisten – vorneweg immer die Trompete, die im Dixieland die Leitfunktion übernimmt. Und um es in Zanders Worten zu formulieren: "Se han gespeelt wie en Weltmeister."
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