Kids-Krimi: Die Luchse und die geheime Schatzkarte der Nibelungen
zuletzt aktualisiert: 22.07.2009 - 13:19Kids-Krimi (RPO). Mirko fasste sich als Erster. „Wie Schatz? Was soll’n hier jemand verbuddelt haben? Biste sicher, dass du das nicht geträumt hast?“
Leon ging in Verteidigungsposition. Wie konnte Mirko dass seiner Lisa unterstellen! „Mensch, jetzt lass sie doch erzählen“, schnauzte er Mirko an, dem ob Leons barschem Ton der Mund zufuhr. „Schieß los Lisa“, kommandierte Leon, und Lisa schoss los. „Ich war am Wochenende bei meinem Großonkel oben in Blecher. Familientreffen. Onkel Gunther ist 85 geworden. Es war langweilig wie immer, bis Gunthers Bruder Giselher“ – „Gunther, Giselher, heißen die bei Euch alle wie die Helden aus der Nibelungensage?“, unterbrach Mirko. „Fehlt nur noch, dass einer Siegfried heißt“, frotzelte er. Lisa blickte beleidigt. „Meine Oma heißt Krimhild“, maulte sie zurück. Leon hatte keine Lust auf Streit. Es gab schließlich einen Fall, und den wollte er endlich hören. „Jetzt erzähl’ halt weiter.“
Lisa fuhr fort: „Giselher ist 88, deswegen bin ich nicht ganz sicher, ob er das richtig auf die Kette gekriegt hat, aber es klang echt. Nach dem Kaffee hat er mich beiseite genommen und mir was erzählt.“ Lisa machte eine dramatische Pause. Silberschmuck unter Morsbroich? Jetzt hätte auch Leon sie erwürgen können für ihre langatmige Erzählung. Fehlte nur noch, dass sie die Kuchensorten auf der Kaffeetafel aufzählte. Aber er biss sich auf die Lippen, schaute verschwörerisch zu Mirko rüber. Der verstand ausnahmsweise.
„Onkel Giselher sagt, den Schatz der Nibelungen gibt’s wirklich. Natürlich nicht mit der Tarnkappe und dem ganzen magischen Zeug, aber jede Menge Schmuck. Und der Schatz soll in Leverkusen vergraben worden sein. Und nicht in den Rhein geworfen, wie es immer in der Sage heißt.“ Während Leons Herz anfing, schneller zu schlagen, arbeiteten Mirkos graue Zellen auf Hochtouren. „Und woher will dein Onkel Giselher das wissen? Ist er etwa auch auf diesen Aprilscherz der Leverkusener Medien reingefallen? Die hatten doch vor Jahren berichtet, dass die Niebelungen hier auf Höhe der Autobahnbrücke den Rhein überquert haben. War aber wirklich ein Aprilscherz“, resümierte Mirko weise.
„Nein, Onkel Giselher hat eine Schatzkarte. Er sagt, die sei seit Jahrhunderten in Familienbesitz, weil irgendwer aus unserer Familie bei einem Adeligen gearbeitet hat, der über tausend Ecken mit dem Hof von König Gunther verwandt war“, berichtet Lisa ernst. Mirko tippte sich an die Stirn. Lisa kullerte eine Träne über die Wange. Leon wurde ganz komisch in der Magengrube, er kramte in der Hosentasche nach einem Taschentuch und reichte es Lisa. „Weiß Onkel Giselher denn, was auf der Schatzkarte steht?“ Lisa nickte und würgte die Tränen runter. „Laut Karte liegt der Schatz liegt im Schlosspark von Morsbroich irgendwo bei alten Gräbern.“ Jetzt musste Leon schlucken. Genau das hatte er ja geträumt. Ein Grab und ein Spaten. „Lisa, du besorgst die Schatzkarte, Mirko, du druckst im Internet aus, was du über den Nibelungenschatz finden kannst“, kommandierte er.
„Und was machst Du?“, bohrte Mirko nach. „Ich besorge Spaten, Taschenlampen, Eistee, ne’ Großpackung Schokoriegel und Sonnencreme“, antwortete Leon. „Was sollen wir denn mit Sonnencreme beim Buddeln?“, fragte Lisa irritiert. „Uns einschmieren. Wir treffen uns morgen Nachmittag erstmal am Silbersee – Lagebesprechung. Da sind wir ungestörter als hier“, sagte Leon verschwörerisch und blickte sich nach allen Seiten um. (Fortsetzung folgt)
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