Rhein-Wupper: Die wilden Schweine sind da
VON GABI KNOPS-FEILER - zuletzt aktualisiert: 01.03.2008Rhein-Wupper (RPO). Wildschweine können so gnadenlos sein. Auf der Suche nach Nahrung und tierischen Leckereien sind den Tieren weder der gepflegte Golfrasen noch Kartoffelfelder oder Hausgärten heilig. Jetzt sind die Jäger am Drücker.
Richard Lodge ist entsetzt. Wildschweine haben auf dem Leverkusener Golfplatz immensen Schaden angerichtet. Eine Rotte hat in der Nacht große Teile des gepflegten Rasens regelrecht umgepflügt. Wieder einmal. Jetzt muss der Greenkeeper (40) ran. Er wird rund zwei Stunden benötigen, um zu reparieren, was die Tiere innerhalb von wenigen Minuten angerichtet haben.
Auch auf dem benachbarten Flugplatz Kurtekotten wird laut gestöhnt, wenn vom Schwarzwild die Rede ist. Die auch nachtaktiven Tiere wühlen auf der Suche nach Engerlingen und Würmern besonders intensiv im südlichen Flugplatzbereich.
„Rasenpfleger“ Johannes Hirschberg: „Start- und Lande- einschließlich Rollbahn müssen täglich kontrolliert und Löcher ab ca. 15 Zentimetern Tiefe immer gefüllt werden.“ Solche Kuhlen seien problematisch, weil das Bugrad eines Flugzeuges hineinrutschen könnte, so dass der Propeller aufschlägt und schwer beschädigt würde.
Nicht füttern
Ein Wildschwein-Keiler erreicht bis zu 150 Kilo Lebendgewicht, kann 1,10 Meter hoch und bis zu 1,80 Meter lang werden. Menschen locken das Schwarzwild an, wenn sie die Tiere mit Gartenabfällen oder Picknick-Resten füttern. Die Schweine wandern an einem Tag bis zu 20 Kilometer.
In Leichlingen haben Landwirt Helmut Joest und seine Kollegen unter den Tieren zu leiden. Joest: „Vor einem Jahr gab es hier keine Wildschweine, nun vermehren sie sich dramatisch.“ Einige Rotten haben auf seinen Feldern große Schäden an Kartoffeln, Mais und Getreide hinterlassen, berichtet der Vorsitzende der Jagdgenossenschaft Leichlingen. In diesem Jahr müsse er sogar um den anstehenden Schnitt des Viehfutters bangen, das für den kommenden Winter vorgesehen ist.
„Wildschweine entwickeln sich immer mehr zur Landplage“, bestätigt Jagdhüter Stefan Wojtschik. Der Fachmann vermutet, dass sich die anpassungsfähigen Allesfresser deshalb so stark vermehren konnten, weil sie wegen der milden Winter ausreichend Futter fanden. Der Jäger hat beobachtet, dass sie sogar in besiedelte Gebiete eindrangen.
Leverkusen hätten die Rotten inzwischen als „neues“ Revier angenommen. Die Scheu vor den Menschen scheinen sie weitgehend verloren zu haben, sagt der Jagdhüter. Und wie ist das Problem in den Griff zu kriegen? „Wir wollen Wildschweine verstärkt jagen“, bestätigt Wojtschek. In den letzten acht Wochen habe es zum Beispiel vier große Drückjagden mit jeweils 16 Jägern und sieben Hunden gegeben. Das Ergebnis war unbefriedigend: Nur ein Wildschwein wurde erlegt. Außerdem erlitt ein Hund, der von einer Sau angegriffen worden war, schwere Verletzungen.
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