Opladen: Durcheinander im Gehirn
VON MONIKA KLEIN - zuletzt aktualisiert: 25.10.2007Opladen (RPO). Sehr viele ältere Menschen leiden unter Demenz. In Leverkusen wurde das Problem gestern u.a. in Fachvorträgen beleuchtet. Ein Schwerpunkt: Tests zur Früherkennung der Krankheit.
Die Zahlen sind erschreckend. Ab dem 65. Lebensjahr beginnt jeder Dritte dement zu werden, bei den 90-Jährigen seien sogar 50 Prozent betroffen. Diese Zahlen habe er der optimistischsten Statistik entnommen, die er finden konnte, so Dr. Ralf Jelkmann. Der Gerontologe des St. Josef Krankenhauses machte gestern den Auftakt zu einer Reihe mit Fachvorträgen am 2. Leverkusener Demenztag, den dieses Mal das DRK-Haus ausrichtete. In Leverkusen haben sich Verbände und Einrichtungen zusammen geschlossen, um das Problem gemeinsam anzugehen und Informationen auszutauschen. Als „bundesweit ziemlich einmalig“ bewertet Jelkmann diese Initiative.
Bald ist zu Hause keiner mehr
Dass Pflege so lange wie möglich zu Hause geschehen solle, sei prinzipiell eine gute Einstellung. Aber bald sei da niemand mehr, müsse man folgern, wenn man die demografische Entwicklung betrachte. „Die Jungen werden immer weniger“, mahnte er den Sozialdezernenten Frank Stein in der ersten Reihe. Wie kann man beginnende Demenz frühzeitig erkennen? Auf diese Frage ging Jelkmann in seinem Impulsreferat ein. Und die beschäftigte nicht nur die Teilnehmer im Saal, die von Berufs wegen mit dem Problem Demenz zu tun haben, sondern auch den Mann auf der Straße.
Uhr als Einstiegstest
Der einfachste Demenz-Test ist der so genannte Uhrentest. Vorgegeben ist ein Blatt mit Kreis und zwölf Punkten, dazu die Aufgabe: Tragen Sie die Zahlen eins bis zwölf ein und stellen Sie die Uhrzeit 11.30 Uhr dar.
Kein Problem für einen gesunden Menschen. Bei Demenzerkrankten aber wird hinterher nicht eindeutig eine Uhr mit der vorgegebenen Zeitangabe zu erkennen sein. Im Anfangsstadium seien vielleicht Zahlen oder Zeiger vertauscht, in fortgeschrittenen Fällen ist nur noch eine Kritzelei zu erkennen.
Vor dem Haus parkte das Demenz-Info-Mobil, in dem ein kostenloser und anonymer Test zur Erstdiagnose angeboten wurde. „Ich vergesse auch schon mal was“, erklärte Peter Engels, als er vor dem Mobil auf den Test wartete. Der 83-Jährige versprach sich eine Auskunft über die aktuelle Leistungsfähigkeit seines Gehirns. Außerdem wollte er von den Fachleuten wissen, ob er alles richtig gemacht hat bei der Pflege seiner inzwischen verstorbenen demenzkranken Frau. Welche Demenz-Tests es gibt, das erklärte Dr. Jelkmann drinnen. Die meisten könnten ohne weiteres vor Ort durchgeführt werden, weil man nur Papier, Stift und Zeit brauche. Vor allem sei eine solide Diagnose wichtig. Dazu gehöre eine ordentliche Anamnese, bei der auch Familienangehörige befragt werden sollten.
Andere Krankheiten müssten ausgeschlossen werden. Denn beispielsweise Entzündungen, Leberfunktionsstörungen, Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse könnten Demenz vortäuschen. Umgekehrt könnten Depressionen ein Hinweis auf beginnende Demenz sein. In diesem Fall bringe es gar nichts, sie mit Psychopharmaka zu behandeln. Hellhörig werden sollten Angehörige bei auffälliger Interessenveränderung, bei starken Stimmungsschwankungen und Verhaltensänderungen älterer Menschen. Eine Medizin gegen Demenz gebe es nicht, aber Therapien, die den Zustand verbessern. Dazu gehörten vor allem Gedächtnistraining (in Maßen), aktivierende Maßnahmen und Sport.
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