Leverkusen: Ein Kulturhaus wird hundert
VON MONIKA KLEIN - zuletzt aktualisiert: 07.06.2008Leverkusen (RPO). 1908 wurde das Erholungshaus an der Nobelstraße eröffnet. Zum Geburtstag plante die Kulturabteilung Bayer, die 2007 ihr hundertjähriges Bestehen feierte, nun eine zweite Jubiläumsspielzeit mit Programm-Bonbons. Damit verabschiedet sich Nikolas Kerkenrath in den Ruhestand.
Die Geschichte
„Erholungshaus in Wiesdorf, welches zur Pflege des geselligen Verkehr und zur Förderung der Bildungsbestrebungen sämtlichen Werksangehörigen dienen soll“: so der Wortlaut in der öffentlichen Bekanntmachung zur Inbetriebnahme am 13. September 1908. Auf den Tag genau 100 Jahre später wird die neue Spielzeit festlich eröffnet. Die Festansprache hält Kulturstaatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff.
Anlässlich der Silberhochzeit des Kommerzienrats Friedrich Bayer jr. entstand die Idee zum Bau des Erholungshauses. Im Dezember 1906 wurde der Bauantrag von der Gemeinde Wiesdorf genehmigt. Die Eröffnung des im Neobarock gestalteten Gebäudes fand am 1908 statt. Es diente den Mitarbeitern als zentrale Versammlungs-, Vergnügungs-, Bildungs- und Sportstätte. Im Erdgeschoss gab es ein Restaurant, einen Billardsaal, eine Lesehalle und Wirtschaftsräume. Unter der Bühne befand sich eine Sprunggrube, daneben Garderoben- und Waschräume für die Sportler. 1923 wurde die erste Orgel eingebaut, vier Jahre später folgte im Zuge der Erweiterung und Modernisierung der Einbau einer Klais-Orgel mit drei Manualen und 45 Registern. 1944 wurde das Haus geringfügig durch Brandbomben beschädigt. Ab 1950 wurde das Erholungshaus zum zentralen Forum der Bayer-Kulturarbeit. 1975 brannte der Bühnenturm aus, beim Wiederaufbau wurde die Technik modernisiert und 1997/98 wurde der Zuschauerraum umgebaut.
Der Öffentlichkeit wurde das breit gefächerte Programm wie schon im Vorjahr wieder auf höchst vergnügliche Weise vorgestellt: von Konrad Beikircher. In der vergangenen Saison ließ man in den Bereichen Theater, Musik, Ballett und Bildende Kunst ein Jahrhundert Revue passieren, in der kommenden Spielzeit ist der Fokus auf Gastensembles gerichtet, die in den vergangenen Jahrzehnten zu den wichtigsten zählten.
Zu einem erfolgreichen Konzert gehört neben neben guten Musikern und anspruchsvollen Programmen auch der passende Rahmen. Den bietet das Erholungshaus zweifellos. Seit dem letzten Umbau hat die Akustik vor allem für Kammerkonzerte gewonnen. Das hat sich unter Künstlern herumgesprochen, die hier nicht nur gerne gastieren, sondern auch immer wieder den Wunsch äußern, bei Bayer Aufnahmen machen zu dürfen. Im Kammermusikring wurden für die kommende Saison Spitzenmusiker verpflichtet wie Paul Meyer, Renaud Capucon, Christian Poltéra, Frank Braley, Felicity Lott, Sabine Meyers Trio di Clarone oder das Chamber Ensemble Academy of St. Martin in the Fields. Die Sinfoniekonzerte werden allerdings nicht im eigenen Haus, sondern im größeren Forum zu hören sein, interpretiert von Musikerpersönlichkeiten, die dem Bayer-Publikum vertraut sind. Dirigenten wie Herreweghe, Buchbinder und Norrington stehen im Programm, das auf epochale Werke setzt.
Fünf Spitzentheater aus Berlin
Im Schauspielbereich konzentrierte man sich auf Theater im Großraum Berlin, die mehrfach im Erholungshaus zu Gast waren. Fünf Berliner Spitzentheater kommen in der Spielzeit 2008/09 nach Leverkusen. Den Anfang macht das Maxim Gorki Theater Berlin, das schon vor der festlichen Spielzeiteröffnung Friedrich Hebbels „Maria Magdalena“ aufführt. Das Berliner Ensemble bringt August Strindbergs „Totentanz“, das Hans Otto Theater Potsdam kommt mit Anton Tschechows Tragödie „Die Möwe“ (mit Katharina Thalbach).
Das Renaissance-Theater Berlin (mit Dominique Horwitz) zeigt eine deutschsprachige Erstaufführung von Doug Wight: „Ich mach ja doch, was ich will“. Zum Saisonschluss spielt das Deutsche Theater Berlin Gil Mehmerts Inszenierung von Albert Camus Psychodrama „Das Missverständnis.
Der Schauspielring 3 holt fünf wichtige NRW-Bühnen nach Leverkusen. Die Reihe Theater aktuell bietet Produktionen aus drei wichtigen Ausbildungsstätten für den Theaternachwuchs (Folkwanghochschule Essen, Bayerische Theaterakademie München, bat-Studiotheater Berlin), widmet dem zwei Mal zum Schauspieler des Jahres gewählten Martin Wuttke einen Solo-Abend und zeigt die Uraufführung einer pantomimischen Faust-Fassung. Nächste Woche stellen wir weitere Programm-Sparten vor.
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