Leverkusen: Ein Stück Industriegeschichte
VON TOBIAS KRELL - zuletzt aktualisiert: 18.11.2009Leverkusen (RPO). Im Außengelände des Museums Freudenthaler Sensenhammer ist nun ein (mit Sockel) gut drei Tonnen schwerer Lufthammer zu sehen, der um 1914 gebaut wurde – vom Vorgänger der Firma Eumuco, die selbst nicht mehr existiert.
Bär und Schabotte
Zu einem Schmiedehammer gehören der eigentliche Hammerkopf, der Bär genannt wird und nach unten schlägt. Der Amboss heißt Schabotte. Er ist eingelassen in ein Stück eines in den Erdboden reichenden Eichenstammes, das die Erschütterungen der Schläge weitergeben soll. Dieses Holz heißt trotz seiner Größe – Durchmesser von 80 Zentimetern sind keine Seltenheit – Hammerstock.
Stolz prangt der Firmenname auf dem 1,30 Meter hohen Lufthammer für Schmiedearbeiten. "Eumuco" ist dort zu lesen. Wie lange er schon nicht mehr in Betrieb ist, kann Wilhelm Matthies nicht sagen. Als Leiter des Industriemuseums Freudenthaler Sensenhammer ist er nun verantwortlich für das geschichtsträchtige Exponat der Firma, die – inzwischen Teil der SMS-Gruppe – Anfang 2008 ihre Pforten in Manfort schloss.
Das Exponat an seinen neuen Bestimmungsort zu bringen, ist der Job von Karl-Heinz Pfeil. Er arbeitet beim Elsdorfer Fliesenbetrieb Winkler. Und mit dessen Lkw samt kleinem Kran hievt er den Hammer von seinem Standort vor dem alten Eumuco-Firmensitz an der Josefstraße auf die Ladefläche. Das geht schneller als geplant – und ist dennoch eine kleine Herausforderung. Auf 1,5 Tonnen wurde das Gewicht des vergleichsweise kleinen Schmiedehammers geschätzt. Mit Betonsockel bringt er jedoch fast das Doppelte auf die Waage.
Freiluft-Ausstellung geplant
Die EMC AG als einer der Eumuco-Nachfolger hat dem Museum die Maschine kostenlos vermacht, der Elsdorfer Betrieb den Transport ebenso unentgeltlich angeboten. "Sonst hätte das die Kasse des Fördervereins schon ziemlich belastet", verrät Matthies. Über die Vergangenheit des Hammers weiß er bislang nicht gerade viel. Um das Jahr 1914 herum wurde er von der Maschinenfabrik Eulenberg, Moenting & Co. gebaut, die sich erst ab 1926 Eumuco AG nannte.
Im Ruhrgebiet soll er als Schmiedehammer im Einsatz gewesen sein. "Vermutlich nicht im Sensenbereich, obwohl er zur Herstellung kleiner Sicheln durchaus geeignet gewesen wäre", sagt der Museumsleiter. Irgendwann kehrte die Maschine an ihre Geburtsstätte zurück. "Wann das war, wissen wir ebenfalls nicht. Wer uns etwas dazu sagen kann, dem wären wir sehr dankbar", versichert er. Erst wenn die Recherchen abgeschlossen sind, soll am neuen Standort im Außengelände des Sensenhammers eine Hinweistafel angebracht werden.
Nahe zum Stauteich soll dort Stück für Stück eine Freiluft-Ausstellung entstehen. Neben dem Eumuco-Lufthammer steht dort bereits einer der Schmiedehämmer, der früher in der Freudenthaler Sensenfabrik zum Einsatz kam, und einer der alten Hammerstöcke. Matthies und der Förderverein sind stets auf der Suche nach neuen Ausstellungsstücken. Das müssen nicht unbedingt Hämmer sein. Auch andere Maschinen aus der Arbeitswelt der Sensenschmiede sind denkbar. Die EMC AG hat dem Museum noch zwei weitere Hämmer angeboten. Einer (vielleicht 40 Zentimeter hoch) wurde gleich mit abgeholt. Mit dem anderen ist das deutlich schwieriger. Denn er steht im nordostdeutschen Wolgast und kann erst dann nach Leverkusen gebracht werden, wenn sich ein Sponsor für den Transport findet.
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