Leverkusen: Entscheidung für Bio
VON YVONNE KOALL - zuletzt aktualisiert: 27.01.2011Leverkusen (RPO). Seit dem Dioxinskandal orientieren sich Kunden in Leverkusen an ökologischen Alternativen. Bio-Fleischermeister Müller zählt seitdem mehr Kunden im Geschäft.
Bio-Siegel
In der EU darf nur mit "bio" bezeichnet werden, was den Mindeststandards für die Erzeugung von Bio-Produktion der EU-Öko-Verordnung entspricht. Hierzulande ist das Kennzeichen dafür das sechseckige grüne Bio-Siegel. Auch im Laden von Jörg Müller, Görresstraße 1, sind damit die Produkte markiert.
Längst ist der Dioxinskandal in den Köpfen der Konsumenten. Von Schweinefleisch, Geflügel und Eiern nehmen sie Abstand – oder aber es wird Bio gekauft. Doch Bio ist nicht nur eine Ausweichmöglichkeit in Zeiten von Lebensmittelskandalen, Bio hat sich zu einer eigenen Kultur entwickelt, deren Anhängergemeinde stetig wächst. Der Leverkusener Bio-Fleischermeister Jörg Müller betreibt einen kleinen Bio-Laden, in dem er neben Fleisch und Wurst auch Tiefkühlkost, Obst, Gemüse, Käse und Molkereiprodukten verkauft.
Genuss fängt im Kopf an
Die Wurst produziert er hauptsächlich selbst. "Die Gewürzmischung, die in die Wurst kommt, stellen wir selber her. Damit wir auch genau wissen was drin ist", sagt Müller. Bio sei eine Einstellungssache. Genuss fängt nicht unbedingt auf der Zunge, sondern im Kopf an. "Dass ich die Bauern besuchen kann, mir dort anschauen kann, wie die Tiere gehalten, gefüttert und am Ende auf dem Schlachthof auch geschlachtet werden, dass alles transparent für mich ist, das sind Dinge, die ausschlaggebend dafür sind, sich für Bio zu entscheiden", sagt er.
Sein Fleisch bezieht Jörg Müller von der Firma Thönes in Wachtendonk. Dort leben Schweine, anders als in Großbetrieben. In kleinen Gruppen, stünden die Tiere auf Stroh und dürften auch mal an die frische Luft, berichtet Müller. "Gefüttert wird Getreide, das mit pflanzlichen Fetten angereichert wird." Auch das Schlachten ist im Fall Bio anders. In ihrer gewohnten Gruppe kommen die Schweine einen Tag vorher auf den Schlachthof, um sich in der Nacht vom Transport erholen zu können. "Man versucht, Stress zu vermeiden", sagt Müller. Soviel Aufwand kostet. Zahlt man im Discounter um die zehn Euro für ein Kilo Schweinefilet muss der Biokunde rund das dreifache bezahlen. "Man muss sich Gedanken machen, woher das Fleisch kommt, was die Tiere zu fressen bekommen haben und wie sie gehalten wurden. Warum nicht mal die heimischen Bauern unterstützen?", appelliert der Fleischermeister.
Einen Zuwachs an Kunden konnte Jörg Müller in der jüngsten Zeit feststellen. Viele haben sich über die Hintergründe des Bio-Fleisches informiert. Müller ist sich sicher, dass einige der neuen Interessenten nun bei ihm einkaufen werden. Viele seien wiedergekommen und hätten den Geschmack gelobt, berichtet Müller, " zu wissen, dass die artgerechte Haltung nicht nur fair zum Tier sondern auch zum Menschen ist, ist schon ein höherer Genuss."
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