Leverkusen: "Fahr Fair" mit 17 neuen Schülern
VON CHRISTINA WAGEMANNS - zuletzt aktualisiert: 07.07.2010Leverkusen (RPO). Wupsi, Polizei und Verkehrswacht setzen in Bussen zu den Schul-Stoßzeiten auf junge Helfer. Neue Busbegleiter im Teenageralter wurden jetzt ausgebildet, um unterwegs für mehr Sicherheit und Fairness in den Linien zu sorgen.
Medya Nas ist stolz. Die 16-jährige Schülerin der Käthe-Kollwitz-Schule (KKS) hat gerade ihren Ausweis als Busbegleiterin von Marc Kretkowski, Chef der Wupsi, ausgehändigt bekommen. In den vergangenen drei Wochen ist die Neuntklässlerin mit 16 weiteren Schülern der 8. und 9. Klasse ausgebildet worden. In Zukunft soll sie für mehr Sicherheit und faires Verhalten im Bus sorgen.
"Es beginnt bereits an den Haltestellen", berichtet Kretkowski über die auftretenden Probleme zu Schul-Stoßzeiten. "Die Schüler drängeln; wenn der Bus voll ist, werden jüngere Schüler von Älteren aus den Bussen herausgedrängt. Andere stehen in der Lichtschranke und blockieren die Bustüren, entwenden den Nothammer als Souvenir oder schlitzen die Sitze auf."
Ruhestand
Der Projektleiter und Initiator des "Fahr Fair"-Projekts, Egon Hufenstuhl, geht in den Ruhestand. Der Geschäftsführer der Verkehrswacht Leverkusen wird dieses Jahr noch eine weitere Ausbildungsgruppe begleiten. Dann ist Schluss. "In Zukunft treffen wir uns mittwochs morgens auf Markt", sagt Gudio Sattler, Schulleiter der KKS, der auch pensioniert wird, und lacht schelmisch.
Um gerade jüngere Schüler zu schützen und Vandalismus vorzubeugen, bildet die Wupsi seit 2002 vier Mal jährlich gemeinsam mit Polizei und Verkehrswacht Schüler beim "Fahr Fair"-Projekt aus. Neben der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule sind auch die Theodor-Heuss-Realschule, die Gesamtschule Schlebusch und die Montanus Realschule involviert.
"Wir haben anhand von Rollenspielen gelernt, eine Situation zu erkennen und einzuschätzen", berichtet Medya. "Wir haben gelernt, die Person nett, aber laut und deutlich anzusprechen und halten Abstand, damit dies nicht aggressiv wirkt", ergänzt Philipp Freudenberg. In verschiedenen Situationen lernen die neuen Busbegleiter bei Konflikten sinnvoll einzugreifen, ohne sich oder andere in Gefahr zu bringen. Nur als Philipp den Nothammer "entwendet", greift seine "Kollegin" Aphrodite nicht ein, sondern flüstert ihm lediglich etwas ins Ohr. "Sie hatte gedacht, dass er wirklich den Hammer stehlen wollte", erinnert sich Ausbilder Andreas Stein lachend. Sein Fazit: "Anfangs waren die Schüler schüchtern, doch sie haben sich intensiv und mit viel Disziplin ihrer Aufgabe gewidmet."
Ein großes Lob an die sozial engagierten Schüler gab es auch sowohl von Egon Hufenstuhl, Projektleiter und Geschäftsführer der Verkehrswacht Leverkusen – "Ihr habt viel Mut bewiesen." –, als auch von Udo Adämmer, 1. Polizeihauptkommissar der Polizei Leverkusen: " Ich bin begeistert, dass sich auch so viele Mädchen dafür gemeldet haben. Aber denkt dran: Das Wort ist eure Waffe, begebt euch nicht in Gefahr. Wenn es eskalieren sollte, sagt dem Busfahrer Bescheid."
Obwohl Medya und ihre 16 Mitschüler erst heute ihren Ausweis bekommen, hat die 16-Jährige ihr Gelerntes bereits ausprobiert. "Vergangene Woche hat ein Schüler viel zu laut Musik im Bus gehört. Da habe ich ihn angesprochen und gebeten, die Musik leiser zu machen." Mit Erfolg, wie sie berichtet. Die 16-Jährige ist stolz.
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