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Leverkusen: Forschung schafft Wachstum

VON LUDMILLA HAUSER - zuletzt aktualisiert: 03.10.2009

Leverkusen (RPO). Der 58-jährige Manager, im Vorstand zuständig für Innovation, Technologie und Umwelt, spricht auf dem Roten Sofa im Monheimer Bayer Kasino "Tropicarium" über langfristige Wege aus der Krise, Geduld als Erfolgsfaktor und den wichtigsten Standort für den Bayer-Konzern: Deutschland.

Wenn Bayer-Vorstandsmitglied Wolfgang Plischke das Wort Nachhaltigkeit ausspricht, ist das nicht nur eine Hülse für ihn. Er kommt aus der Forschung, weiß, dass ein neues Produkt oder ein innovatives Verfahren nicht in einem Jahr hochgezüchtet werden kann, sondern in einem Zyklus von zehn bis 15 Jahren entwickelt wird. Auch bei Bayers Kunststofftochterfirma MaterialScience (BMS), die unter der Wirtschaftskrise in diesem Jahr besonders zu leiden hat. "Dennoch geben wir auch in der Krise 300 Millionen Euro an Forschungsgeldern an BMS", sagt Plischke. "Und in eine paar Jahren wird es womöglich eine entscheidende neue Anwendung von Polymeren geben, mit der wir heute gar nicht gerechnet haben", wischt er vorschnelle Tipps in der Branche, sich vom Stiefkind Kunststoff zu trennen, weg.

Hinterher schickt er eine griffige Erfolgsformel des Konzerns: "Bayer betreibt sein Geschäft nachhaltig, denn nur durch innovative Produkte kann Wachstum entstehen und dadurch ein guter Aktienkurs. Damit setzte sich Forschung in Wirtschaft um." Daran hält Bayer fest – unbeirrbar. Gerade dann, wenn wieder ein Gerücht im Umlauf ist, dass der US-Konzern Pfizer Bayer schlucken wolle. Der 58-Jährige winkt ab. "Gerüchte gibt's immer – die werte ich als Kompliment."

Und: Diese Formel gilt gerade in der Krise: In diesem Jahr hat Bayer so viel Geld in die Forschung investiert wie noch nie zuvor in der Firmengeschichte: 2,9 Milliarden Euro. Das Meiste hiervon fließt zu den Teilkonzernen Health Care und CropScience – und bleibt im Land. 60 Prozent der Bayer-Forschung ist in Deutschland angesiedelt. "Das ist unser dominierender Standort. für alle Geschäfte. Und er ist gut; hier haben wir gute Partner an Universitäten, an Instituten wie Frauenhofer- und Max-Planck-Institut."

Der ruhige Wolfgang Plischke kommt ins Reden:. "Früher gab es Kooperationen auf Projektbasis, heute sind es strategische Kooperationen, weil in Netzwerk-Kooperationen die Wahrscheinlichkeit höher ist, Innovationen zu entwickeln. Es müssen nur die richtigen Leute zusammenkommen." Dann entstehen Ideen wie die Baytubes (Kohlenstoff-Nanoröhrchen, belastbarer, biegsamer, leichter als Stahl) für die Bayer in Leverkusen eine 200-Tonnen-Pilotanlage baut.

"Auch da werden wir in zehn bis 15 Jahren sehen, was man damit für tolle Sachen machen kann." Etwa in Hockeyschlägern oder im Rotor von Windkrafträdern anstelle des dort genutzten Stahls

Plischkes Augen leuchten auf: "Ich habe Zeiten erlebt, als unser Krebsmittel Nexavar noch ein kleines Pflänzchen war. Da wussten wir nicht, ob es wirklich gegen Krebs hilft. Dann ist das ein echter Glücksmoment, wenn die Ergebnisse stimmen, so dass ein Produkt daraus wird, das Umsatz macht." Aber: "Man darf eben nicht schnell aufgeben." Auch nicht, wenn ein Mittel wie Nexavar im September von den Behörden in Großbritannien nicht als erstattungsfähig angesehen wird. Als Niederlage sieht Wolfgang Plischke das nicht. Eher als Herausforderung.

Eine andere ist Bayers Kampf für steuerliche Förderung von Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in Unternehmen. Im Mai ging ein offener Brief an die Politik dazu raus. Dass der Staat auf diese Weise für Wachstum sorgen kann, davon ist der 58-Jährige überzeugt, der das Bekenntnis von Bayer zum Standort Deutschland betont, auch wenn der Weltkonzern auch dort präsent sein will, wo derzeit der Wachstumsmarkt am größten ist: Asien. 7000 Mitarbeiter beschäftigt Bayer allein in China – achtet dabei auf die Konzernprinzipien: Menschenrechte, Umweltschutz. "Damit können wir einen gesellschaftlichen Beitrag für die Integration von China in die Staatengemeinschaft leisten", betont Plsichke.

Beiträge zu leisten, hat sich Bayer in der Forschung vor allem für die großen Herausfordeurngen vorgenommen: Klimawandel und Zunahme der Weltbevölkerung. "Alle wichtigen Projekte sind geprägt durch diese Probleme. Im Pflanzenschutz müssen wir helfen, damit trotz wachsender Weltbevölkkerung und klimatisch schwerer werdenden Bedingungen, Nahrung für jeden zur Verfügung gestellt werden kann – durch Ertragssteigerung von Pflanzen und widerstandsfähiges Saatgut. Im Bereich Gesundheit müssen wir uns dem demografischen Wandel widmen, an Mitteln gegen Demenz und Herzkreislauferkrankungen arbeiten. Ich kann sagen: Wir haben mehr als das Thrombosemittel Xarelto in der Pipeline." BMS müsse sich dem Klimawandel stellen, etwa bei Materialien, die die CO2-Emission senken. Plischke hat viele Ideen. Nachhaltigkeit ist für ihn tatsächlich nicht nur eine Worthülse.

Quelle: RP

 
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