Leverkusen: Foto-Modelle unter Drogen
VON MONIKA KLEIN - zuletzt aktualisiert: 09.03.2007Leverkusen (RPO). „Der Kontrakt des Fotografen“ heißt die neue Porträt-Ausstellung im Schloß Morsbroich. Sie basiert teilweise auf ungewöhnlichen Herangehensweisen. Einige Porträtierte nahmen freiwillig Drogen, andere wurden hypnotisiert.
SCHLEBUSCH Auf den ersten Blick wirken seine großformatige Aufnahmen wie normale Porträts. „Aber im Sinne von ‘Das schenke ich der Omi zu Weihnachten´ sind es schlechte Porträts“, meint Ashkan Sahihi vor seinen Arbeiten in Schloss Morsbroich.
Er verfolgte bei den Drug Series ein konzeptionelles Ziel, das auf künstlerischer wie medizinischer und politischer Ebene funktioniert. Freiwillige Modelle nahmen für die Fotositzung illegale Drogen, kontrolliert und unter medizinischer Aufsicht. Bedingung: niemand durfte Drogenerfahrung haben. Von Haschisch über Extasy bis LSD waren die unterschiedlichsten Stoffe dabei. Und den Porträts sind, mit Ausnahmen, meist die typischen Reaktionen anzusehen. Sahihi reiste extra von New York an, um an der Eröffnung der Ausstellung „Der Kontrakt des Fotografen“ am Sonntag im Museum Morsbroich teilzunehmen.
Fakten zur Ausstellung
Die Ausstellung „Der Kontrakt des Fotografen“ wird am Sonntag, 11. März, um 12 Uhr im Museum Morsbroich, Gustav-Heinemann-Straße 80 eröffnet und ist dort bis zum 27. Mai zu sehen. Öffnungszeiten: di 11 bis 21 Uhr, mi bis so 11 bis 17 Uhr. Gruppen-Führungen nach Vereinbarung 0214/855560. Katalog, 196 Seiten, 18 Euro.
Die Ausstellung konzipierte Museumsleiter Dr. Markus Heinzelmann noch für das Siemens Arts Programm zusammen mit der Akademie der Künste, wo sie bis Januar zu sehen war. Hier, in den kleineren Wohnräumen eines Schlosses jedoch entfalten dieselben Bildserien eine völlig andere Wirkung als in der weiß gekalkten Halle, urteilt Heinzelmann.
So unterschiedlich sie an die Sache heran gingen, verfolgen alle 17 ausgestellten Fotografen das gleiche Ziel. Sie gingen an gegen das Vorurteil, ihr Medium sei nicht wirklich bildende Kunst, weil es nur eins zu eins abbilde. Allen Werken liegt deswegen ein Konzept zu Grunde, das der Betrachter kennen sollte, um die Bildfolgen wirklich zu verstehen. Erläuternde Texte finden sich in jedem Raum. Was bei Sahihi eine Mischung aus medizinischem und gesellschaftlichem Interesse war, trieb die Finnin Marjaana Kella noch weiter. Sie fotografierte ihre Modelle in Hypnose. Denn sie vertritt die radikale Ansicht, dass ein Mensch eigentlich erst objektiv zu porträtieren sei, wen er tot sei. Schließlich trage jeder eine oder unterschiedliche Masken. Eine kleinformatige Serie von Andy Warhol zeigt unter anderem inszenierte Selbstporträts.
Die gelackte Welt der Modefotografie stellte der Japaner Izima Kaoru in Frage, weil er sie mit dem Thema Tod konfrontierte. Angela Fensch dokumentierte noch vor Mauerfall alleinerziehende Mütter in der DDR. Das Duo Clegg&Guttmann inszenierte Bundesminister und Berliner Senatoren nach Art der alten Meister vor dunklem Grund. Patrick Faigenbaum brauchte einige Überredungskunst, um alteingesessene Florentiner Familien zu persönlichen Aufnahmen in ihren Häusern zu bewegen. In allen Fällen wurden vor dem Foto-Shooting genaue Absprachen getroffen – ein Kontrakt.
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