Leverkusen: Friedhof Birkenberg bis Januar zu
VON PETER KORN, INA LAUER UND ULRICH SCHÜTZ - zuletzt aktualisiert: 21.12.2010Leverkusen (RPO). Der Winter-Würgegriff, in dem sich Leverkusen befindet, sorgt für immer mehr Einschränkungen: So bleibt der Friedhof Birkenberg auch über die Weihnachts- und Neujahrsfeiertage wegen drohenden Astbruchs geschlossen. Einer ersten Tankstelle ging gestern der Dieseltreibstoff aus.
Für Lothar Schmitz hatte die Szene etwas Bezeichnendes: Als der Chef des städtischen Fachbereichs Stadtgrün seine Leute nach einer erneuten Nacht- und Frühschicht im Winterdienst jetzt im Betriebshof an der Borsigstraße besuchte, fiel ihm eine Besonderheit auf. "Da hat keiner mehr ein Wort gesagt. Die waren alle dermaßen fertig, dass sie sich nicht mehr unterhalten konnten."
Die Szene, die Schmitz gestern beschrieb, könnte getrost auf alle anderen Bereiche des Winterdienstes in diesen Tagen übertragen werden, sei er nun städtisch, TBL oder unter anderer Führung. Die dritte Woche mit Eis und Schnee hinterlässt ihre Spuren. Und die werden immer tiefer:
Eiszapfen
Eiszapfen hängen gefährlich von Dachrinnen herunter. Für Warnschilder sind laut TBL Hauseigentümer zuständig. Haupteingang und Parkdecks der Rathausgalerie waren gestern wegen Schnee- und Eisbrockengefahr noch gesperrt.
- Streusalz Ein Sattelzug mit 25 Tonnen Salz ist laut Reinhard Gerlich, dem Chef der städtischen Technischen Betriebe (TBL), gestern angekommen. "Das ist so gut wie nichts" sagte Gerlich. Zusammen mit den 300 Tonnen Split, die ebenfalls eingetroffen sind, hoffen sich die TBL bis zum Wochenende retten zu können. Aber es werden nur noch Hauptverkehrsstraßen geräumt.
- Friedhöfe Der Opladener Friedhof Birkenberg bleibt bis in den Januar hinein gesperrt, wie Stadtgrün-Chef Schmitz bestätigt: "Die Bäume sind viel zu voll mit Schnee, das ist gefährlich." Zumal schon mehrere schwere Äste wegen der Lasten auf den Boden gekracht seien. "Um den Astbruch zu beseitigen, müssen wir ja mit schwerem Gerät auf den Friedhof", sagt Schmitz. Das gehe zurzeit schon deshalb nicht, weil viel Gräber unter der dichten Decke gar nicht mehr zu erkennen seien – damit sei das Risiko von Beschädigungen zu hoch. Beerdigt wird aber dennoch, wie Schmitz sagt: "Dafür schaffen wir spezielle Zugänge, teils auch über Umwege." Und für den Fall, dass der Boden zu tief gefroren ist, als dass der Bagger greifen könnte, stehen sogar Presslufthammer bereit, um die Gräber auszuheben.
- Sprit Wegen des anhaltenden Schneechaos geht ersten Tankstellen jetzt offenbar auch der Sprit aus. "Seit 10 Uhr haben wir keinen Diesel mehr", sagte Olaf Hermanek von der Quettinger Star-Tankstelle gestern. Grund sei das Lkw-Fahrverbot auf den Autobahnen, das am Abend zuvor verhängt worden war und bis gestern Vomittag andauerte. Es sei das erste Mal, dass die Lkw wegen des enormen Schneefalls nicht an die Zapfsäulen fahren könnten. Langsam zur Neige geht laut Hermanek bei ihm auch das Benzin: "Je nach Andrang können wir heute frühzeitig Feierabend machen." Nachschub sei erstmal nicht in Sicht. Probleme mit Kraftstoff-Knappheit hatte die Aral-Tankstelle an der Bonner Straße bislang nicht, wie Pächter André Bamberg gestern bestätigte. Auch bei Aral an der Alkenrather Straße floss der Sprit.
- Kosten Dieser Winter wird teuer TBL-Chef Gerlich rechnet vor, dass sich die Winterdienst-Ausgaben binnen zwei Jahren mehr als verdreifacht haben. "Im Winter 2008/2009 hatten wir 150 000 Euro Kosten, im vergangenen bereits 450 000." Und schon jetzt habe man wieder 1000 Tonnen Streugut verbraucht (2009/2010 waren es insgesamt 1800 Tonnen). Hinzu kämen jede Menge Überstunden der Winterdienstkräfte, die vergütet werden müssten.
- Anwohner-Ärgernisse Die Schneepflüge schieben die Massen in Parklücken, die Hausbesitzer ebenfalls. Die Folge: Parkraum ist mehr als knapp. Gerlich ärgert in diesem Zusammenhang, dass viele Anwohner den Schnee komplett vom Gehweg auf die Straße schippen, anstatt nur eine Gasse freizuschaufeln und den Schnee rechts und links davon aufzuhäufen.
- Zuständigkeiten Anwohner berichten von einer TBL-Maschine, die den Rad- und Fußweg an der Robert-Blum-Straße vom Schnee befreite, das kurze Stück entlang der Jugendverkehrsschule aber nicht. Grund: Dort wäre der Hausmeister zuständig. "In diesem konkreten Fall hätte die Maschine vielleicht aus Kulanz durchfahren können", räumt Gerlich ein. Aber generell gelte: Wer zuständig ist, muss auch räumen. "Sonst lehnen sich alle nämlich schön zurück und lassen die TBL alles machen."
- Rohrbrüche Auch wenn es in Quettingen vorgestern einen Fall gab – der Winter hat laut EVL noch zu keinem Anstieg der Rohrbrüche geführt. Dies drohe meist aber nach langem Frost bei Tauwetter.
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