Leverkusen: Fußfallstationen stehen wieder
VON MARION MEYER - zuletzt aktualisiert: 04.02.2012Leverkusen (RP). Dank der Regionale konnten die Steine mit Kreuzen wieder hinter der Gezelinkapelle aufgestellt werden. Sie waren in den 90er Jahren zerstört worden. Hier kann man nun nicht nur an Karfreitag den Kreuzweg nachvollziehen.
Pilger haben einen weiteren Anziehungspunkt in Alkenrath: Hinter der Gezelinkapelle wurden sieben "Fußfallstationen" aufgestellt, die einen Kreuzweg darstellen. Vandalen hatten die mit einem Kreuz versehenen Steine im Winter 1992/1993 zerstört. Die Trümmer lagen jahrelang im Park hinter der Gezelinkapelle herum, bis der Schlebuscher Küster Christian Kaltenbach sie einsammelte und sicherte. An Palmsonntag, am 1. April, wird der neue Kreuzweg offiziell eingeweiht.
Dank der Regionalegelder konnten die sieben Steine restauriert werden. Die steinernen Kreuze obendrauf sind neu. Die sieben Fußfälle wurden zu Beginn des 18. Jahrhunderts vom Komtur des Deutschen Ordens Jobst Mauritz von Droste zu Senden errichtet. Deshalb tragen sie im Sockel das Deutschordenskreuz. Vor dem Bau des Carl-Carstens-Rings standen sie im Gezelinwald an der Opladener Straße und der Gezelinallee. Möglicherweise hatten sie einen älteren Kreuzweg abgelöst, der die Gezelinkapelle mit der Schlebuschrather Pfarrkirche verband.
Der Kreuzweg
In den meisten katholischen Kirchen finden sich entlang der Seitenwände Kreuzwegbilder oder auch Stationen. Anfänglich waren es nur sieben Stationen, heute sind in den Kirchen meist 14 Stationen aufgehängt. Eine besondere Bedeutung kommt ihnen in der Fastenzeit und an Karfreitag zu.
In Anlehnung an den in Rom üblichen Brauch, den Leidensweg Christi durch einen Bußgang zu den sieben Hauptkirchen der Stadt nachzuvollziehen, wurde an entsprechend vielen Kreuzen kniend gebetet.
Fast alle Steine wurden gerettet
Gläubige können nun den Kreuzweg nachvollziehen, in dem sie an jeder der sieben Stationen niederknien und beten. "Man betete die sieben Fußfälle zum Beispiel dann, wenn jemand in der Nachbarschaft gestorben war", erzählt Norbert Hölzer vom Pfarrgemeinderat St. Andreas, zu der die Gezelinkapelle gehört. Die Pfarrgemeinde beteiligt sich an den Kosten der Sanierung, zu der auch eine neue Bepflanzung rund um die sieben Stationen gehört. Teilweise müssen Büsche zurückgeschnitten werden. Die Pflanzung und Pflege übernimmt die städtische Abteilung Stadtgrün.
Bereits die Nazis hatten die Fußfallstationen zerstört. Erst in den 1970er Jahren wurde sie wieder aufgestellt, bevor sie 1993 wieder umgeworfen wurden. "Teilweise wurden die Steine als Grillunterlagen benutzt", sagt Hölzer. 80 Prozent der Steine konnten jedoch gerettet werden. Nun stehen sie wieder. In den Nischen in der Mitte standen früher die römischen Ziffern von I bis VII. Ob sich früher darin auch bildliche Darstellungen des Kreuzweg Jesu befunden haben, ist nicht belegt. Die sieben Fußfallstationen gehen auf die "Römerfahrten" zurück, die gegen Ende des 14. Jahrhunderts die Pilgerfahrten nach Rom oder ins Heilige Land ersetzen konnten. Durch diese Wallfahrten zu nahe gelegenen Orten sollte den normalen Gläubigen die Möglichkeit gegeben werden, schon zu Lebzeiten Ablass von ihren Sünden zu erlangen.
Auch heute unternehmen benachbarte Gemeinde, etwa aus dem Bergischen Land, Pilgerfahrten zu der Gezelinkapelle. Hier wird des heiligen Gezelinus gehuldigt, der der Sage nach in einer Dürrezeit im 12. Jahrhundert durch inbrünstige Gebete und einen Stockstoß die Quelle zum Sprudeln brachte. Und auch heute noch kommen viele hierhin, um sich das Wasser abzufüllen. Ihm wird heilende Wirkung zugesprochen.
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