Leverkusen: Gas-Alarm im Unterricht
VON LUDMILLA HAUSER - zuletzt aktualisiert: 12.09.2009Leverkusen (RPO). Die Bilanz wohl eines Pennälerstreichs an der berufsbildenden Geschwister-Scholl-Schule: 16 Schüler landeten im Klinikum, weil sie ein "Toilettenspray" eingeatmet hatten. Die Kripo ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung.
Dieser Streich ging nach hinten los: 16 Schüler einer Erzieherinnen-Klasse an der Geschwister-Scholl-Schule landeten Freitag im Krankenhaus – weil sie ein im Raum versprühtes Toilettenspray eingeatmet hatten.
Nach der Pause gegen 9.30 Uhr waren die 66 Schüler in ihre vier Unterrichtsräume zurückgekehrt. Wenig später klagten etliche über Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel, Atemnot, Kreislaufprobleme oder Kratzen im Hals. Die Lehrerin öffnete die Fenster und alarmierte die Feuerwehr. Die rückte mit 35 Einsatzkräften zum Gasaustritt an. "Wir haben die 66 Schüler medizinisch betreut", berichtete Jörg Gansäuer von der Berufsfeuerwehr. 16 Teenager mussten ins Klinikum gebracht werden, wo einige von ihnen auch zur Beobachtung über Nacht dabehalten wurden.
Seit 2008 saniert
Erst im vergangenen Jahr war in der Geschwister-Scholl-Schule, die sich mit dem Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung auf dem selben Campus an der Bismarckstraße befindet, die Sanierung der denkmalgeschützten Gebäude aus den 50er Jahren gefeiert worden.
Schulfrei für 1800 Schüler
Zunächst konnten die Einsatzkräfte von Feuerwehr und Kriminalpolizei weder feststellen, um welches Gas es sich handelte, noch, woher es kam. Die Stadt schickte Amtsarzt Martin Oehler und Mitarbeiter der Abteilung Gebäudewirtschaft an die Bismarckstraße. Ebenso rückten später Mitarbeiter der Firma Hoch-Tief an. Die Firma kümmert sich in einem Private Partnership-Projekt um die unter Denkmalschutz stehenden 50er-Jahre-Schulgebäude. Die Teams sollten klären, ob eventuell Lösungsmittel oder andere Stoffe aus dem Baumaterial diffundierten. "Das haben unsere Leute ausschließen können, denn so schnell wie das, was heute Morgen ausgetreten ist, verflüchtigt sich etwa ein Lösungsmittel nicht", sagte eine Stadtsprecherin. Und: "Im Oktober 2008 gab es eine Raumluftmessung. Das Ergebnis war so gut, dass es dafür sogar ein Gütesiegel gab."
Am späten Vormittag, als die Einsatzkräfte noch im Dunkeln tappten, entschied der neue Schulleiter Jakob Hungenberg: Auch die übrigen der 1800 Schüler dürfen nach Hause gehen. Gestern Nachmittag dann kam das erste Ergebnis der Kripo-Ermittlungen: Der auslösende Stoff war wohl ein Luftauffrischerspray. Zu dessen Inhaltsstoffen gehören nicht ganz ungefährliche Ammonium-Verbindungen und Chloride, auf der Packung wird vor Hautkontakt und Einatmen der Dämpfe gewarnt, weil sie die Atemwege reizen können. Die Polizei ermittelt nun weiter nach dem oder den Tätern – wegen gefährlicher Körperverletzung. Ein gelungener Streich sieht wohl anders aus.
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