Opladen: Gelebte Geschichtsstunde
VON ROMAN ZILLES - zuletzt aktualisiert: 10.11.2006Opladen (RPO). Weit mehr als 300 Teilnehmer gedachten in Opladen den Opfern der Pogromnacht und der Judenverfolgung. Neben Reden und Liedern informierten Schüler über die Schicksale von Leverkusener Juden.
„Die Gefahr, dass Menschen weggucken, wenn Unrecht passiert, besteht immer.“ Für Bodo Neuß war dies Motivation genug, um sich in die Gedenkveranstaltung in Opladen einzubringen. Im Geschichtsunterricht bereiteten sich Neuß und seine Mitschüler vom Landrat-Lucas-Gymnasium in den vergangenen Wochen vor, um mitten in Opladen gegen Hass und Fremdenfeindlichkeit und für Menschlichkeit und Toleranz einzutreten.
Der Jahrestag der Reichspogromnacht wurde gestern wieder begangen. Genau dort, wo am 9. und 10. November 1938 die Synagoge an der Altstadtstraße in Flammen stand, wurde daran erinnert, wie wichtig es ist, die Erinnerung an die Verbrechen an den Juden im Dritten Reich wach zu halten. „Erinnern heißt nicht, das Gedächtnis zu belasten, sondern den Verstand zu erleuchten“, zitierte Oberbürgermeister Ernst Küchler in seiner Rede vor deutlich mehr als 300 Teilnehmern am Platz der Synagoge Gotthold Ephraim Lessing.
„Nie wieder“
Für die meisten der Gekommenen war es eine Art gelebte Geschichtsstunde. Der Großteil der Teilnehmer waren Jugendliche der Montanus-Realschule und des Lucas-Gymnasiums. Gemeinsam mit einer Gruppe der Leverkusener Musikschule führten Schüler mit zumeist nachdenklich machenden Redebeiträgen durch das Programm. Von Julien Chaim Soussan gab es ein Lob für die Anwesenden und die ganze Stadt. Leverkusen sei eine besondere Stadt im Umgang mit Erinnerung, sagte der Rabbiner der jüdischen Gemeinde Düsseldorf. „Hier“, so Soussan, „wird die Erinnerung als Handlungsanweisung aufgefasst.“ Die oberste Maxime, die vom Gedenken an die Opfer der Pogromnacht und der Judenverfolgung ausgehe, laute: „Nie wieder.“
Vom Platz der Synagoge zogen die Teilnehmer nach der Kranzniederlegung zur Aloysiuskapelle. Unterwegs wurde zwei Mal Halt gemacht. Schüler erzählten über die Schicksale von Leverkusener Juden, die Opfer des Nationalsozialismus wurden. Heute erinnern „Stolpersteine“ des Kölner Künstlers Gunter Demnig vor den Häusern (Kölner Straße 15 und 22) an das Leid der jüdischen Mitbürger.
Bodo Neuß war zum dritten Mal bei der Gedenkveranstaltung dabei. Und es wird wohl nicht seine Teilnahme gewesen sein. „In absehbarer Zeit werden alle Überlebenden verstorben sein“, erklärte Neuß. „Daher ist es um so wichtiger, weiterhin zu gedenken und zu erinnern.“
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