Leverkusen: Glühbirnen-Problem im Museum
VON ROMAN ZILLES - zuletzt aktualisiert: 08.08.2009Leverkusen (RPO). Ab September sieht es düster aus für die Glühbirne, dann wird sie schrittweise verboten. Das sorgt im Museum Morsbroich für Kopfzerbrechen, führt aber in Baumärkten nicht zu Hamsterkäufen.
Wenn Dr. Markus Heinzelmann eine Glühbirne wechseln möchte, "dann muss ich womöglich den Denkmalschutz einschalten". Auch wenn der Direktor des Museums Morsbroich bei dem Satz ein wenig schmunzeln muss, meint er ihn doch durch und durch ernst. Gemünzt ist die Aussage auf den historischen Leuchter im Spiegelsaal. "Der stammt aus dem 19. Jahrhundert und steht unter Denkmalschutz." Durchaus vorstellbar also, dass die Ämter ihr Veto einlegen, würde Heinzelmann dort eine allzu kühlen Charme versprühende Energiesparleuchte eindrehen.
Das hat er zwar nicht vor. Aber doch bereitet ihm eine EU-Verordnung Kopfzerbrechen: das Glühbirnen-Verbot, das ab September in einem ersten Schritt den Verkauf von matten Leuchten sowie von allen Birnen über 100 Watt untersagt.
Ästhetische Probleme
In den Ausstellungsräumen des Museums soll zwar im kommenden Jahr ein lange entwickeltes Konzept umgesetzt und alle Lampen durch energiesparende Leuchten ersetzt werden. "Aber im Spiegelsaal stellt uns das Verbot vor große ästhetische Probleme", sagt Heinzelmann. Seit etwa einem halben Jahr widmen sich die Kunstexperten in Schlebusch dem Thema. Insgesamt gehe es um geschätzte 150 Birnen, für die bislang keine nur halbwegs geeigneten Ersatzprodukte in Sicht seien. Ein wenig Aufschub bekommt Heinzelmann. "Denn wir haben keine matten und keine 100-Watt-Birnen im Einsatz." Erst in ein, zwei Jahren, wenn auch Leuchten mit weniger Watt aus dem Verkehr gezogen werden, holt ihn das Problem also ein.
Keine Hamsterkäufe
Alle, die bis Monatsende allerdings noch matten und besonders hellen Birnen-Ersatz suchen, werden bei Rainer Keil fündig. Der Chef der Kipp-und-Grünhoff-Baumärkte bietet voraussichtlich bis 31. August die vom Verbot betroffenen Leuchten an. Ein vorzeitiger Ausverkauf drohe nicht. "Die Berichte über angebliche Hamsterkäufe kann ich nicht bestätigen." Seine Meinung werde gestützt von zahlreichen Kollegen aus Hagebaumärkten in der ganzen Republik.
Eher das Gegenteil sei der Fall: Seit vorigem Jahr beobachtet Keil, dass der Großteil der Kunden die Energiesparleuchte der Glühbirne vorzieht. "Die Verbraucher sind aufgeklärt und reagieren entsprechend", sagt der Geschäftsführer. "Zudem gehören Leuchtmittel zu den Spontankäufen." Vorratshaltung betrieben hier nur die Allerwenigsten. Daher erwartet Keil nicht, dass in den nächsten drei Wochen Kunden mit Großraumfahrzeugen kommen und Glühbirnen palettenweise aus seinen Märkten schieben.
Oder fährt eventuell bald Markus Heinzelmann vor, um die Ästhetik seines Spiegelsaals auf Jahre hinaus zu gewährleisten? Ausgeschlossen, antwortet der Museumsdirektor: "Als Teil der öffentlichen Verwaltung dürfen wir gar keine Hamsterkäufe tätigen. Und daran halten wir uns selbstverständlich."
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