Leverkusen: Griff zur Satire-Brille
VON MONIKA KLEIN - zuletzt aktualisiert: 01.05.2007Leverkusen (RPO). Zum Abschluss der Buchwoche „Lev liest“ gastierte Jan-Gregor Kremp im Sensenhammer. Er setzte seine vorgelesenen Texte grundsätzlich durch musikalische Zwischenspiele voneinander ab.
Ein „Plapperstündchen“ würde er nicht so gerne machen, meinte Jan-Gregor Kremp, als er zu Beginn seines brandneuen und ersten Soloprogramms zunächst über dieses Genre philosophierte. Besser sei eine „Schweigeminute“. Zum Glück wurde es weder noch, wenn man von gelegentlichem rhetorischen Schweigen absieht. Durchaus nachdenklich und ernst ging der Schauspieler diverser Fernsehrollen an die unterschiedlichsten Themen heran, aber immer die Satire-Brille griffbereit und mit sicherem Gespür für unerwartete Wendungen und Gedankengänge. Ein Soloprogramm wurde der Abschlussabend zur 4. Leverkusener Buchwoche „Lev liest“ auch nicht wirklich.
Gut besucht
Es hat sich gelohnt. Das war die Grundstimmung der Mitwirkenden der Buchwoche „Lev liest“ beim Epilog im Freudenthaler Sensenhammer. Die meisten Veranstaltungen seien gut besucht gewesen, so die Rückmeldung bei Claus Faika. Der KulturStadtLev-Mitarbeiter hatte die Woche zusammen mit Agid Jumpertz (Stadtbibliothek) organisiert. Es gab 85 öffentliche Veranstaltungen.
Erfreulicherweise. Denn die gelesenen Texte wurden grundsätzlich durch musikalische Zwischenspiele voneinander abgesetzt. Dann drehte sich Kremp einfach vom Tisch mit der altertümlichen Leselampe weg und griff in die Tastatur seines Keyboards, um seinen Partner und Saxofonisten Olaf Weiden zu begleiten. Ein überzeugendes Duo, das sich wunderbar aufeinander einließ und gemeinsam Klänge von Duke Ellington bis Johann Sebastian Bach formte. Ganz besonders ergreifend waren die ausdrucksvollen Stücke, vor allem wenn Weiden während des Spiels langsam die Bühne zwischen den alten Schmiedegeräten verließ und sich der weiche Klang seines Saxofons langsam entfernte, um dann wieder näher zu kommen. Diese Momente genossen die zahlreichen Zuhörer merklich. Zum Weinen schön kam Bachs berühmte Aria „Jesu meine Freude“, die beide einem kürzlich verstorbenen Freund widmeten. Was im Original begann, entfernte sich immer mehr von der barocken Vorlage in jazzige Musik der Gegenwart.
Weitere angenehme Überraschungen bot Jan-Gregor Kremp mit einigen Liedern. Denn der Schauspieler hat nicht nur die wichtigen Ausdrucksmittel parat und verfügt über eine sonore Sprechstimme, er kann auch singen. Seinen vollen und sicher geführten Sound begleitete er auch noch selbst. So auch beim Leverkusen-Lied, das der gebürtige Monheimer zur Zugabe gewählt hatte. Auch wenn der Text schmunzelnd harte Wahrheiten vermittelte, wie die Tatsache, dass der Ort weder zur schönsten Stadt Deutschlands noch zur Kulturhauptstadt gewählt würde, war das Genre ganz klar ein Liebeslied. Die eigenen Texte ergänzte der Schauspieler im Programm „Kremp.Schweigeminute“ durch Rezitationen von Charles Bukowski und Hanns Dieter Hüsch. Beide offensichtlich seine besonderen Favoriten, denn beide so unterschiedliche Autoren blitzten auch aus den Kremp-Gedanken.
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