Leverkusen: Großbrand zog weite Kreise
VON STEFAN SCHNEIDER - zuletzt aktualisiert: 19.03.2008Leverkusen (RPO). Der weithin sichtbare Großbrand beim Chemieunternehmen Ineos in Worringen erregte auch in Leichlingen viel Aufsehen. Zwei Mal wurde die örtliche Feuerwehr alarmiert, weil Bürger die Brandstelle in der Blütenstadt wähnten. Zehn Feuerwehrleute aus Leverkusen halfen in Worringen.
Der erste Fehlalarm war um 19.24 Uhr bei der Leichlinger Feuerwehr eingegangen. Die Löschzüge I, II und III rückten zum Katzensterz aus, weil ein besorgter Bürger gemutmaßt hatte, dort würde ein Bauernhof brennen. Die Kräfte um Stadtbrandmeister Horst Schmidtberg stellten bald fest, dass der Anrufer durch den Feuerschein aus Worringen getäuscht worden war. Genauso war es um 21.26 Uhr, als die Wehr zu einem vermeintlichen Flächenbrand im Haus-Vorster-Wald gerufen wurde: Wieder hatten die Flammen in Worringen zu der Fehlalarmierung geführt. Schmidtberg war den Anrufern deshalb nicht böse: „Die Leute haben schließlich in gutem Glauben gehandelt.“ Grundsätzlich sei es besser, einmal zuviel anzurufen als einmal zu wenig.
Diskussion neu entfacht
Das schwere Unglück in Worringen hat auch die Diskussionen um die geplante CO-Pipeline von Bayer neu angefacht. Der umweltpolitische Sprecher der Grünen im nordrhein-westfälischen Landtag, Johannes Remmel, meinte, nach dem Störfall in Worringen könne niemand mehr glauben machen, dass es nicht auch an der CO-Pipeline zu schweren Unfällen kommen könne.
Burscheid mit abgedeckt
Von der Leichlinger Feuerwehr war niemand zum Löschen in Worringen angefordert worden. Allerdings griffen wegen des Großbrandes die Mechanismen der überörtlichen Hilfeleistung. Weil zahlreiche Kräfte der Kölner Feuerwehr in Worringen gebunden waren, halfen ihre Kollegen aus Nachbarstädten mit, den Grundschutz für das restliche Gebiet der Domstadt sicherzustellen. Aus dem Rheinisch-Bergischen Kreis etwa hatten sich Feuerwehrleute aus Burscheid und Rösrath für Notfälle in Köln bereitgehalten. Was wiederum dazu geführt hätte, dass die Leichlinger Brandschützer mit ihrer Drehleiter nach Burscheid ausgerückt wären, wenn dort etwas passiert wäre.
Auch die Leichlinger Feuerwehr fordere bei Großeinsätzen überörtliche Hilfe an, erläuterte Schmidtberg. Zuletzt sei dies im vergangenen Herbst bei dem verheerenden Feuer an der Hochstraße der Fall gewesen: „Damals waren Feuerwehrkameraden aus Wermelskirchen in unserer Wache Metzholz stationiert, um den Grundschutz für die Stadt mit zu gewährleisten“, sagte der Feuerwehrchef. In Leverkusen lief es am Montag ganz ähnlich ab.
Von der Werkfeuerwehr Chempark (ehemals Bayer) rollten drei Fahrzeuge mit zehn Kräften nach Worringen. Die dadurch entstandenen Lücken bei Personal und Material glich die Leverkusener Berufsfeuerwehr mehrere Stunden lang aus. „Wir waren mit einem Fahrzeug im Leverkusener Werk“, berichtete Leverkusens Feuerwehrchef Hermann Greven. Ein weiteres Fahrzeug habe man bereit gestellt. In Worringen seien keine Kräfte der Leverkusener Berufsfeuerwehr zum Einsatz gekommen.
Jörg Brückner, Sprecher des Chempark-Betreibers Currenta, berichtete gestern auf RP-Anfrage von 1200 Kräften, die der Großbrand gebunden habe: 600 unmittelbar am Einsatzort, 600 im weiteren Umfeld. Von den Werkfeuerwehren seien neben den zehn Mitarbeitern aus Leverkusen 100 weitere an den Löscharbeiten beteiligt gewesen. Brückner erläuterte das standortübergreifende Konzept der Werkfeuerwehren Chempark bei der Schaummittellogistik: An allen drei Standorten (Leverkusen, Dormagen, Krefeld) gebe es Schaumtanks. Allein aus dem Leverkusener Depot seien am Montag 40 Kubikmeter Schaum an die Katastrophenstelle in Worringen transportiert worden.
Indirekt waren von dem Unglück auch der Leverkusener Stadtteil Hitdorf und die Nachbarstadt Monheim betroffen. Denn auch die Bürger im weiteren Umkreis der Brandstelle wurden aufgerufen, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Die Behörden hatten laut Presseamt der Stadt Köln mehr als zehn Messwagen eingesetzt, um Schadstoffbelastungen feststellen zu können. Es habe aber nur am frühen Dienstagmorgen an wenigen Messpunkten im Südwesten Worringens leicht erhöhte Acrylnitril-Werte gegeben. Bis gestern Nachmittag hätten sich drei Personen wegen Hautreizungen in ärztliche Behandlung begeben; alle hätten nach kurzer Zeit wieder nach Hause gekonnt.
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