Leverkusen: Grotesker Totentanz
VON MONIKA KLEIN - zuletzt aktualisiert: 21.04.2007Leverkusen (RPO). Wenn der Sensenmann zu Gast ist, wandelt sich das Gesicht einer Stadt. Aufwändig inszenierte der Literaturkursus der Lise-Meitner-Schule Ionescos bizarres Stück.
Zur Musik einer Jahrmarktsorgel kreuzen Gruppen von Menschen am Sonntagvormittag den Marktplatz und die Zuschauer schnappen Fetzen ihrer Gespräche auf. Das übliche, belanglose Geplauder über Gott und die Welt, Politik und Familie. Eine ganz normale Szene in einer ganz normalen Kleinstadt – bis die rätselhafte Seuche ihre ersten Opfer fordert. Zwei Säuglinge im Kinderwagen sind gestorben und bald fallen die eben noch flanierenden Bürger der Reihe nach tot um. Von da an ist nichts mehr wie es war, die Normalität ist verdreht. Der Literaturkurs Stufe 12 des Lise-Meitner-Gymnasiums hat Eugene Ionescos Stück „Triumph des Todes oder das große Massakerspiel“ in Szene gesetzt.
Noch zwei Mal Triumph
„Triumph des Todes“ führt der Literaturkurs Stufe 12 noch zwei Mal auf: 23. und 24. April, jeweils 19.30 Uhr im Pädagogischen Zentrum, Lise-Meitner-Gymnasium. Der Eintritt ist frei, Spenden für die Erweiterung der Bühnenbeleuchtung werden erbeten.
Im Wiegeschritt abgeführt
Unter der Leitung von Lehrer Dominikus Klinke entstand eine kurzweilige Aufführung, in der der leibhaftige Tod umgeht und an wechselnden Schauplätzen seine Opfer fordert. Was zunächst noch erschrecken lässt, nimmt der Zuschauer bald mit der Gelassenheit hin, die sich mit der Gewohnheit einstellt. „Es ist keine Überraschung mehr“, wie eine Frau lakonisch feststellt. Und so mag man sich eher wundern über die Lebendigen als über jene, die von Skelettfiguren zum Totentanz aufgefordert und im Wiegeschritt abgeführt werden. Betroffen seien vor allem die armen Viertel, trösten sich die Gutsituierten, bis auch sie umfallen. Übertriebene Desinfektion schützt ebenso wenig wie frische Verliebtheit. Und auf einmal verkehrt sich das Normale ins Groteske. Was bedeutet vor diesem Hintergrund noch der Alltag in einem Krankenhaus? Die Gefängnistüren bleiben offen, die Gefangenen können sich drinnen sicherer fühlen als draußen. Und das Misstrauen wächst, Egoismus wird als Recht und Pflicht empfunden.
Diese Szenenfolge und die menschlichen Entwicklungen in der etwas anderen Auseinandersetzung mit dem Thema Tod hat die Jugendlichen gereizt. Deswegen wählten sie Ionescos Stück. Außerdem: Von 31 Schülern wollten 29 auch tatsächlich auf der Bühne stehen. Das war auf diese Weise möglich, einige schlüpfen am Abend sogar in mehrere Rollen. Mit Blick auf den Originaltitel „Jeux de massacre“ wurde das Bühnenbild gestaltet. In Frankreich heißen so die Wurfbuden, in denen Köpfe mit Bällen beworfen werden. In diesem Fall nahm man die eigenen Porträts und je eines von Lehrer und Direktor.
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