Leverkusen: Häftlingen geholfen
VON ROMAN ZILLES - zuletzt aktualisiert: 29.01.2009Leverkusen (RPO). Zum 64. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz wird in der Remigiuskirche eine Ausstellung über Franz Stock gezeigt. Der Priester leistete während des Weltkriegs französischen Gefangenen selbstlos Beistand.
Bevor die Vergangenheit in den Mittelpunkt rückte, richtete der Leverkusener Stadtdechant Heinz-Peter Teller den Blick der Besucher auf einen Vorgang trauriger Aktualität: Die Äußerungen des britischen Bischofs Richard Williamson, der den Holocaust leugnet (und dessen Exkommuniaktion von Papst Benedikt XVI. jüngst aufgehoben wurde), kämen "wegen ihrer zeitlichen Nähe zum Holocaust Gedenktag einer bitteren Ironie gleich", sagte Teller und forderte Konsequenzen für Williamson Aussagen.
Lebensgefährlicher Einsatz
Erst dann rückte die eigentlich Hauptperson ins Zentrum der Veranstaltung in der Remigiuskirche: Franz Stock. Aus Anlass des 64. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz widmet sich nun eine Ausstellung dem Wirken des Priesters, der ab 1940 in Paris eingekerkerte Juden und Widerstandskämpfer betreute und deren Hinterbliebenen mit Informationen über ihre Angehörigen versorgte. Wegen seines lebensgefährlichen Einsatzes gegen die Nationalsozialisten genießt er auch in Frankreich hohes Ansehen.
"Er war ein Grundstein für die deutsch-französische Aussöhnung", sagte Horst Leise vom Franz-Stock-Komitee, der zur Ausstellungseröffnung das Leben des 1904 in Westfalen geborenen Priesters skizzierte: Das bekannteste Kapitel nahm ab 1940 seinen Lauf. Als Wehrmachts-Pfarrer war Stock für die Betreuung von Gefängnis-Insassen in Paris zuständig. Sein Beistand beschränkte sich aber nicht auf das – von deutscher Seite aus gesehen – erlaubte Maß. Stock führte Tagebuch, in dem er Orte der Gräber und die letzten Worte von Häftlingen notierte, um diese (oft in Verbindung mit persönlichen Gegenstände) den Hinterbliebenen der Ermorderten zu überbringen. "Stock dürfte bei 2000 Erschießungen dabei gewesen sein", schätzte Leise. Er und seine Gesellschaft bemühen sich nun um die Seligsprechung des 1948 verstorbenen Priester, "der in Frankreich das andere Deutschland symbolisierte".
Ähnlich bekannte Geistliche wie Stock gibt es zwar in Leverkusen nicht. Aber, erinnerte Pfarrer Teller, gebe es auch hier verdiente Priester, deren Seligsprechung bevorstünde: Zum einen der Missionar Pater Gottfried Fuchs, der im Steyler Missionshaus St. Adalbert (Ostpreußen) tätig war. Zum anderen Priester Augustin Bellinghaus, der am Aloysianum als Schulseelsorger tätig war und wegen seiner Kritik am Nazi-Regime im KZ in Dachau ums Leben kam.
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