Leverkusen: Hitdorfer Fischer wird FDP-Chef
VON CLAUS-PETER GRIES - zuletzt aktualisiert: 06.02.2012Leverkusen (RP). Aufbruchstimmung bei der Leverkusener FDP: Mit einem neuen Vorsitzenden, dem 52-jährigen Hitdorfer Arzt Guido Fischer, will die Partei neuen Schwung gewinnen und die Probleme der Vergangenheit vergessen machen.
2010 war es bei der Wahl des damals neuen Vorsitzenden Guido Lenné zu einem Riss in der Leverkusener FDP-Kreispartei gekommen. Im vorigen Sommer trat Lenné dann aus privaten Gründen zurück, Timur Lutfullin (25) übernahm kommissarisch den Vorsitz bei den Liberalen. Und jetzt wollte der Parteitag eine längerfristige Lösung finden, da Lutfullin wegen seiner beruflichen Ausbildung nicht mehr zur Verfügung stand.
Mit Guido Fischer fand sich ein Kandidat, der ohne Gegenspieler von 19 der 21 anwesenden Mitgliedern – die Partei hat nach eigener Angabe knapp 90 Mitglieder– gewählt wurde. Fischer will neuen Schwung in die Liberalen tragen, die zur "JamaikaPlus"-Koalition im Rat gehören und in Leverkusen politisch mit das Sagen haben.
Bayer-Schal für Lutfullin
Für FDP-Mann Timur Lutfullin gab es am Samstag keine Blumen. Monika Ballin-Meyer-Ahrens, die Vorsitzende der FDP-Ratsfraktion, überreichte dem kommissarischen Vorsitzenden einen Bayer 04-Fan-Schal für das bevorstehende Champion's League-Spiel gegen Barcelona. Lutfullin, der bekannte, eine Jahreskarte für die BayArena zu haben, freute sich sichtlich über das Geschenk. Und während des Kreisparteitags gab er der Versammlung den Halbzeit- und Endstand des aktuellen Bayer 04-Spiels durch und die Namen der Torschützen.
Unterstützung fand Fischer, dessen medizinisches Feld die Strahlentherapie ist, auch bei der Fraktion. Breiten Raum nahm der Bericht von Dr. Monika Ballin-Meyer-Ahrens ein, der Vorsitzenden der FDP-Fraktion. In der "JamaikaPlus"-Koalition stehe die FDP der CDU, Grünen und den Freien Wählern, "vielfach sehr nahe". Sie betonte, dass "JamaikaPlus" in Leverkusen "alternativlos" sei, Bürgerliste und SPD seien ideen- und konturlos, könnten nur verhindern, wie die Lösung der Hitdorfer Verkehrsprobleme.
Doch die Liberalen haben es auch in Leverkusen nicht leicht. Das bekam Christian Lindner, Bundestagsabgeordneter aus Wermelskirchen und bis vor kurzem FDP-Generalsekretär, zu spüren. Lindner sprach zur Versammlung und stellte sich Fragen. So einer Frage von Friedrich Busch, wie denn die Partei auf lokaler Ebene mit dem umzugehen habe, was "von oben", sprich aus Berlin, "eingebrockt" worden sei. Die Folgen, wie Austritte, bekamen die Leverkusener Liberalen zu spüren.
Lindner, der sein Bild der liberalen Partei skizzierte, empfahl offen auf die Menschen, die Wähler, zuzugehen, den Dialog zu suchen, einfach näher ran an das, was die Bürger wollten, schränkte aber auch ein: "Sie wollen eine Generalstabsantwort, aber ich gehöre nur zur Truppe". Dennoch, ihm gehe es darum, dass Europa wieder populärer, dass in Deutschland die soziale Marktwirtschaft "neu durchgesetzt" werden müsse und dass es kein Zwei-Klassen-Internet geben dürfe.
Timur Lutfullin berichtete über das abgelaufene Jahr in der Partei, erläuterte, was alles angeschoben worden sei, und dass es eigentlich keine Probleme gegeben habe. Ballin appellierte an die Parteimitglieder, die Spaltung von 2010 hinter sich zu lassen und geschlossen aufzutreten und sich den Aufgaben zu stellen. Geschlossenheit gab es bei den weiteren Wahlen, bei denen der bisherige stellvertretende Kreisvorsitzende Benedikt Vennemann in seinem Amt bestätigt und Reinhard Sablowski neu zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt wurde.
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