Leverkusen: Hitze: Feuerwehr rettet häufiger
VON ROMAN ZILLES - zuletzt aktualisiert: 14.07.2010Leverkusen (RPO). Die Hitzewelle hat Leverkusen fest im Griff: Menschen flüchten sich mitunter in die 25 Grad kühle Rathaus-Galerie, Rasenflächen färben sich braun, die Feuerwehr fährt mehr Rettungseinsätze – und die EVL freut sich.
Schwitzen und Stöhnen. Der Zweiklang hat die Stadt fest im Griff. Exemplarisch zeigt sich das auf den sonnigen Plätzen der Außengastronomie der Rathaus-Galerie. Mitunter, berichtet Centermanagerin Katrin Becker, flüchteten Gäste von dort regelrecht ins Innere des Kauftempels. Dort herrschen dank Lüftungsanlage (Klimaanlagen gibt es lediglich in einigen Geschäften) "nur" ungefähr 25 Grad. "Es ist schwieriger, das Gebäude zu kühlen als es im Winter zu heizen", ergänzt Becker. Daher überwachen sie und ihr Wachteam vor allem, dass sämtliche Nebentüren des Gebäudes geschlossen und die Hitze draußen bleiben.
Keine Wasser-Engpässe
Wasser-Engpässe sind nach Angaben der EVL nicht befürchten: DieGroße Dhünntalsperre, aus der der Versorger 60 Prozent des Leverkusener Trinkwassers gewinnt, sei derzeit mit 54 Millionen Kubikmeter gefüllt (maximale Kapazität: 81 Mio. m3). Die übrigen 40 Prozent werden durch das Rheindorfer Wasserwerk dem Grundwasser entnommen.
Künstlicher Herbst ist eingeleitet
Weniger als die Menschen kämpft Leverkusens Flora mit dem tropischen Temperaturen. "Ruhig bleiben", rät Lothar Schmitz Pflanzenliebhabern und Gartenbesitzern und verweist auf Selbstregulierungskräfte der Natur. "Nur Sommerblumen werden von unseren Mitarbeitern gegossen", sagt der Stadtgrün-Chef. Jüngst gepflanzte Bäume bekommen Wasser von externen Firmen: Dieser Service falle unter die Gewährleistung der Unternehmen, die mit dem Pflanen der Bäume betraut waren.
Mit Ausnahme von Wässerungen im Neulandpark bleibt die Pflanzenwelt sich selbst überlassen. Das gilt für Rasenflächen (Schmitz: "Rasen am besten nicht gießen. Es ist nicht schön, wenn er sich gelb und braun färbt. Aber er erholt sich"). Das gilt für Bäume ("Alte Bäume verdunsten täglich bis zu 600 Liter. Da kämen wir mit dem Gießen nicht nach"). Dass womöglich der ein oder andere Baum eingeht, sei Teil der natürlichen Auslese.
Sorgen müsse sich niemand, meint Schmitz. Zumal Bäume sich anpassen, etwa "den künstlichen Herbst einleiten", also Laub abwerfen, um ihre Oberfläche zu verkleinern und so ihre Verdunstung zu verringern.
Über ein solche Strategie verfügt der Mensch im Allgemeinen und Feuerwehrleute im Speziellen nicht. Daher schwitzt auch Wolfgang Auweiler an seinem Arbeitsplatz an der Stixchesstraße, wo die Berufswehr auf Alarme wartet. Nur die Leitstelle verfügt dort über eine Klimaanlage – weniger um die Mitarbeiter, mehr um die Technik zu kühlen. Zahlen kann Auweiler keine nennen. Aber: "Gefühlt sind es bei so einer Hitze mehr Einsätze."
Rettungseinsätze wegen dehydrierten oder kollabierten Personen gebe es vermehrt; auch sei das Wetter Grund für einige Rettungsfahrten: "Es zieht halt viele vermehrt zum Wasser hin", sagt Auweiler mit Verweis auf Badeunfälle im Rhein.
Die Kölner Polizei dagegen kennt keinen Zusammenhang von Einsätzen und Hitze: "Darüber wird keine Statistik geführt", teilt eine Sprecherin schlicht mit.
Freude lösen Wettervorhersagen dieser Tage bei der Energieversorgung aus. Strom- und Wasserverbrauch sind zuletzt je um rund 15 Prozent gestiegen. Das Mehr an Strom "wird wohl für Klima- und Kühlgeräte verwendet", schätzt Regina Steuernagel von der EVL . Und statt bei durchschnittlich 124 Liter pro Tag und Kopf verbraucht jeder Leverkusener nun gut 142 Liter. Aber bald geht der Verbrauch von Wasser und Elektrizität wieder zurück. Der Grund: Die Menschen fliehen vor der Hitze – und fahren in Sommerurlaub.
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