Leverkusen: Hochwasseralarm für Hitdorf
VON MARION MEYER - zuletzt aktualisiert: 10.12.2010Leverkusen (RPO). Am Donnerstag stieg der Pegel des Rheins um 16 Zentimeter pro Stunde an. Wenn das Tauwetter so anhält, würde am Sonntag der Höchststand erreicht. Es könnte der erste Härtetest für die mobile Hochwasserschutzwand werden.
Kommt das Hochwasser, oder kommt es nicht? So lautet die bange Frage, die bereits am Donnerstag die Hochwasserschutzzentrale in Köln und die Technischen Betriebe Leverkusen (TBL) beschäftigte. Denn wenn der Rhein tatsächlich über die Ufer tritt, kommt die neue Hochwasserschutzwand in Hitdorf zum Einsatz. Gestern in der Zeit von 9 bis 13 Uhr stieg der Pegel des Stroms bereits um rasante 16,5 Zentimeter pro Stunde an.
"Die Frage ist nur, wie sich das weiter entwickelt", sagt TBL-Geschäftsführer Reinhard Gerlich. Tauwetter und Schneeschmelze im Süden gepaart mit starkem Regen führten zu diesem Anstieg von Mosel und Rhein. "Wenn noch die Mittelrheinregion von Sieg und Lahn mit Hochwasser dazu kommt, steigt der Rhein bis zum Wochenende noch weiter und wird wahrscheinlich am Sonntag seinen Höchststand erreichen", erklärt Reinhard Vogt, Leiter der Hochwasserschutzzentrale in Köln.
Hochwasserschutz
In Hitdorf wurde im September die mobile Hochwasserschutzwand zur Probe errichtet. Dazu wurden 347 Stützen und 3200 Dammbalken für die sechs Dammtore und die Wand eingebaut. Damals waren alle Schutzwände dicht. Die Hochwasserschutzwand kann dank einzelner Elemente bis zu 3,50 Meter hoch gebaut werden.
Gestern erste Vorbereitungen
Die TBL haben gestern Bereitschaft für alle Beteiligten angeordnet. Wenn um 22 Uhr gestern Abend der Pegel höher als 6,20 Meter gestiegen ist, wird bereits ab 4 Uhr heute morgen die Hochwasserschutzwand aufgebaut. Wenn er langsamer steigt, wird der Bautrupp dementsprechend später tätig.
Heute um 7.30 Uhr trifft sich ein Krisenstab, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Die Speditionsfirma Niesen, die die an der Borsigstraße gelagerten Teile der Hochwasserschutzwand anliefert, hat bereits drei Gabelstapler vor Ort bereit gestellt. Gestern wurden die Schrauben für die Stützfüße noch enteist, damit heute alles reibungslos aufgebaut werden kann.
Gerade erst im September wurde die neue Hochwasserschutzwand in Hitdorf zur Probe aufgebaut. Die 850 Meter lange und 77 Tonnen schwere Wand besteht aus sechs bis zu zwei Meter hohen Dammtoren mit mobilen Absperrelementen, die bei Hochwasser auf die vorhandene 1,5 Meter hohe Stahlbetonwand aufmontiert werden.
Insgesamt dauert es um die zwölf Stunden, um die Wand in voller Höhe aufzubauen. Die gesamte Hochwasserschutzmaßnahme kostete zehn Millionen Euro. Dazu gehört auch eine unterirdische wasserundurchlässige Dichtwand, die bis zu 30 Meter tief reicht.
Neun bis zwölf Leute der TBL seien heute morgen im Einsatz, die dafür letzte Nacht vom Winterdienst befreit wurden. Ein Adventshochwasser sei gar nicht so unüblich, so Gerlich. "Die Vorbereitungen dienen dazu, dass wir heute nicht überrascht werden", sagt der TBL-Geschäftsführer. Und die mehr als 2000 Rheinanwohner Hitdorfs keinen nassen dritten Advent erleben.
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