Leverkusen: "Irrsinniger Ausbau des Leverkusener Autobahnkreuzes"
VON ULRICH SCHÜTZ - zuletzt aktualisiert: 10.03.2007 - 13:57Leverkusen (RPO). "Irrsinnig, gigantisch, unsinnig", so bewerteten heute, Samstagmorgen, drei Sprecher des SPD-Parteitages Leverkusen den geplanten Ausbau des Leverkusener Autobahnkreuzes. Dort soll nach bisherigen Vorstellungen ein zweispuriger "Überflieger" - eine Abbiegespur in Form einer fast ein Kilometer langen Brücke - von der Autobahn 3 auf die Autobahn 1 gebaut werden. Für das vergleichweise riesige Bauprojekt müsste die Kleingartenanlage Bernshecke mit einer Fläche von rund neun Hektar Grünland verschwinden. "Mit uns nicht", sagten auch die Teilnehmer des Parteitages. Sie forderten in einer Resolution eine kleinere Lösung, "die durchaus machbar ist und eben keine Utopie", wie es Oberbürgermeister Ernst Küchler beschrieb.
Mit Prof. Karl Lauterbach verfügen die Leverkusener inzwischen über einen prominenten Gegner der Brückenabbiegespur. Der Bundestagsabgeordnete empörte sich auf dem Parteitag in Leverkusen-Rheindorf unter anderem über die Länge dieser Fahrbahnen: Da kämen pro Tag an die 30000 zusätzliche Kilometer nur durch diese Abbiegespuren zusammen. "Das ist die Jahresleistung eines durchschnittlichen Kleinwagens - eine irrsinnige Verschwendung. Ich glaube nicht, dass diese Bauvariante die engere Diskussion überlebt", so Lauterbach unter Beifall des Parteitages.
Bedeutet: Er will auch auf die Entscheider im zuständigen Bundesverkehrsministerium in Berlin Einfluss nehmen, damit das Projekt verhindert wird. Am Dienstag führen Lauterbach, Stadtchef Küchler und Baudezernent Wolfgang Mues dazu ein Gespräch mit Achim Großmann, dem parlamentarischen Staatssekretär im Verkehrsministerium in Bonn.
Als Beispiel für sein umweltpolitisches Umdenken verwies Lauterbach vor dem Parteitag auf sein neues (Leih-)Auto: "Zum letzten Parteitag kam ich noch mit einem Achtzylinder, jetzt bin ich mit einem kleinen Auto da, das nur 140 Gramm Co2 ausstößt", erklärte Lauterbach, räumte aber gleichzeitig ein: "Der Achtzylinder fuhr sich schon besser...".
Zu den Parteitagsteilnehmern durfte auch Michael Potschka, der Vorsitzende der Bürgerinitiative Schleswig-Holstein-Siedlung sprechen. Potschka erzählte von der Akteneinsicht, die einige Anwohner beim Landesbetrieb Straßenbau zum Thema Autobahnausbau erzwungen hatten (Wir berichteten). Da seien schon erstaunliche Fakten entdeckt worden. So arbeiteten die Behördenplaner mit teils zehn Jahre alten Verkehrsprognosen. Vor allem: Seit 2001 verfolge die Autobahnbehörde nur noch die Bauvariante der "Überflieger-Abbiegespur". Deshalb lehnten die Planer auch alle anderen Vorschläge vehement ab. "Wir werden aber gegebenenfalls gegen diese Bauvariante klagen", drohte Polizeibeamter Potschka.
Dass etwas am Leverkusener Kreuz getan werden muss, um den täglichen Stau abzubauen, dies räumen alle ein. Oberbürgermeister Küchler: "Die Lärmemissionen und die Luftbelastung sind nicht länger hinnehmbar." Deshalb sei grundsätzlich ein Ausbau des Kreuzes nötig. Aber dies ließe sich auch mit minimalem Flächenverbrauch realisieren: "innerhalb des heutigen Bereiches des LEV-Kreuzes". Bürgerinitiativ-Sprecher Potschka ergänzte: "Dies kostet sogar nur ein Fünftel der Summe, die für den Überflieger nötig wäre." Aber seit der Bund die Mautgebühren im großen Stil einnehme, spielten Baukosten wohl keine Rolle mehr.
Stadtchef Küchler lobte das Engagement der Bürger und versprach: "Wir ziehen mit Ihnen an einem Strang." Das Thema gehe ohnehin die ganze Stadt an. Die Bürgerinitiative bereitet für den Sonntag, 1. April, in der Kleingartenanlage Bernshecke eine Versammlung vor, um die weitere Schritte zum Autobahnausbau zu beraten.
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