Leverkusen: Jecker Orient im Forum
VON TOBIAS KRELL - zuletzt aktualisiert: 31.01.2009Leverkusen (RPO). Die fünfte Jahreszeit haben die Karnevalsfreunde Manfort mit ihrem Sessionsmotto kurzerhand ins Morgenland verlegt. Kamele, Kakteen und Bier servierende Dschinne bestimmten das Bühnenbild bei der Großen KM-Sitzung.
Das Morgenland hat bis zum Elften im Elften eine jecke Niederlassung in Leverkusen. Dafür sorgt das diesjährige Sessionsmotto der Karnevalsfreunde Manfort. Das lautet "Fastelovend im Orient". Und dieser Leitsatz war bei der Großen KM-Sitzung im Terrassensaal des Forums nicht zu übersehen. Das Bühnenbild zeigte Haremsdamen, Kamelkutschen, eine Oase, Kakteen oder Kalifen. In Sachen Getränke macht der Rheinländer jedoch keine Zugeständnisse. Ein Köbes mit Tablett und Kölschstange wand sich als Schlange aus einem Korb (mit Beschwörer) und bildete sich als Dschinn aus dem einer Wunderlampe entsteigenden Dunst. Den Sessionsorden zieht ein turbantragender und von Haremsdamen umringter Jeck in KM-Uniform, der – unter dem siebten Himmel – auf einem fliegenden Teppich Platz genommen hat.
Der Kallendresser
Kallendresser ist der kölsche Ausdruck für einen Menschen, der seine Notdurft in die Regenrinne verrichtet. Das bekannteste Exemplar der gleichnamigen Figur befindet sich an einem Haus am Alter Markt. Die Skulptur zeigt im Profil einen hockenden Mann mit angestrengtem Gesicht und heruntergelassener Hose.
Ein Kallendresser für Oelsner
Ein echtes Stück rheinisches Brauchtum servieren nicht nur die Figuren auf den Motto-Abbildungen, sondern seit dieser Session auch die Karnevalsfreunde Manfort. "Goldener Kallendresser" ist die Auszeichnung nach dem Maskottchen der Gesellschaft benannt, das in Anlehnung an die berühmte Kölner Figur am Alter Markt entstanden ist (siehe Info-Kasten). Erster Preisträger ist das KM-Ehrenmitglied Wolfgang Oelsner. Der Kinderpsychologe (Leiter der zur Kölner Uniklinik gehörenden Johann-Christoph-Winter-Schule) ist Autor zahlreicher karnevalistischer Kinderbücher und wurde für seine Verdienste um das Brauchtum ausgezeichnet. Den "Kallendresser" nahm er mottogerecht als Scheich gewandet in Empfang. Geehrt wurde zudem Ehrenliterat Walter Brosseder. Ihm überreichte BDK-Regionalpräsident Willi Hentges den selten vergebenen Verdienstorden in Gold mit Brillanten des Bundes Deutscher Karneval.
Die neuen Ordensträger freuten sich über die Ehrungen. Doch auch der Rest des Publikums zeigte rasch steigende Begeisterung. Dafür zeichnete das ausgezeichnete Programm der Sitzung verantwortlich. Neben Jupp Menth ("Kölsche Schutzmann"), Willibert Pauels ("Bergische Jung"), Bernd Stelter ("Werbefachmann"), Guido Cantz ("Mann für alle Fälle"), Marc Metzger ("Blötschkopp"), den Swinging Fanfares, "Kolibris" und "Paveier" standen auch die "Höhner" auf der Bühne. Sie heizten angeführt durch ihren Schlebuscher Frontmann Henning Krautmacher ("So etwas wie ein Heimspiel. Hier ist ja fast die ganze alte Nachbarschaft") den 950 überwiegend bunt kostümierten Jecken im Terrassensaal des Forums ordentlich ein.
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