Leverkusen: Jess Jochimsens "Stadtansichten"
VON MONIKA KLEIN - zuletzt aktualisiert: 21.05.2010Leverkusen (RPO). Der Kolumnist, Kleinkünstler und Fotograf präsentiert in der Galerie im Forum kuriose Fotos, die teilweise Heiterkeit verbreiten, teilweise aber auch ein Gefühl von Befremden, Melancholie und Traurigkeit.
Der Schriftzug "tristesse" erübrigt sich fast, bei der Anordnung dieser vier Bilder, die Jess Jochimsen irgendwo im "Speckgürtel" von Städten eingefangen hat. In diesem Fall kombinierte er vier Örtlichkeiten mit ähnlich unfreundlich grauen und nicht mehr ganz frischen Fassaden. Wer mag hier Lust bekommen auf einen Drink in der "Bar zur Hölle", deren Äußeres dem Namen alle Ehre macht, oder einen vielversprechenden Abend im "tristesse"? "DanebenLEBEN" hat der Kolumnist, Kleinkünstler und Fotograf seine Sammlung von eigenartigen Stadtansichten überschrieben. Ein kleiner Teil der von ihm für "gut" befundenen 645 Aufnahmen ist derzeit in der Galerie im Forum zu sehen.
Lautes Lachen, stiller Humor
Die zusätzliche Sonderausstellung zum Saisonschluss hat Kulturbüroleiterin Anke Spiegel spontan verabredet, als Jess Jochimsen Anfang November in der Kolonie Eins zu Gast war und im Rahmen seines Programms Fotos als kleines "Roadmovie" einspielte. Visualisieren sie doch auf humorvolle Weise das Spielzeitthema "StadtLeben". Vor manchen Fotos werden die Besucher herzhaft auflachen, andere vermitteln eher einen stillen Humor. Aber immer mischt sich in das Vergnügen das Gefühl von Befremden, Melancholie und Traurigkeit. Jeder kennt solche Schmuddelecken, die es auch in Leverkusen gibt. In dieser Ausstellung ist keines zu sehen, aber Jochimsen hat auch im fußläufigen Umfeld des Forums schon passende Motive für seine Sammlung gefunden. Aber er achtet grundsätzlich darauf, dass sich die Aufnahmen nicht genau zuordnen lassen. Dieses Maß an Anonymität ist ihm genauso wichtig bei den Menschen, die nur selten durch seine Fotos laufen und in der Regel nur von hinten zu sehen sind. Seit 20 Jahren tingelt der Kabarettist durch das Land. Immer hatte er den Skizzenblock dabei, um Stoff für seine Kolumnen zu sammeln.
Sein Schlüsselerlebnis hatte er bei einem Besuch in Dinkelsbühl, das als Corporate Identity der Stadt ein einheitliches Erscheinungsbild in Frakturschrift vorschreibt. Beim Anblick des Ladenschildes "Schmidt's Fashion Point" entschied er sich spontan zum Kauf einer Kamera und verknipste mehrere Filme. Das war sein Beginn als Fotograf, der mit ironisch-kritischem und humorvollem Blick durch die Gegend streift.
Inzwischen schicken ihm Menschen weitere Aufnahmen zu. Doch die übernimmt er nur, wenn sie wirklich in sein Konzept passen. Spannend ist die ästhetische, strenge Präsentation auf den weißen Wänden der Forum-Galerie. Einiges zeigt Jochimsen dort in Reihung, andere Arbeiten hat er unter inhaltlichen und formalen Gesichtspunkten zu Gruppen zusammen gestellt.
Hinweis Die Ausstellung "DanebenLEBEN" von Jess Jochimsen ist bis 17. Juni im Forum zu sehen. An der Info ist ein Katalog für 9,95 Euro erhältlich. www.jessjochimsen.de
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