Leverkusen: Jubiläen mit Johannes-Passion
VON MONIKA KLEIN - zuletzt aktualisiert: 20.03.2007Leverkusen (RPO). Für den Städtischen Chor gab es gleich drei Gründe, um kräftig zu feiern. Er besteht 85 Jahre. Vor 20 Jahren begann die Zusammenarbeit mit Helmut Breidenstein. Zum zehnten Mal musizierte man mit einem jungen Orchester.
Gleich drei Jubiläen feierte der Städtische Chor mit der Aufführung von Johann Sebastian Bachs Johannes-Passion im Forum: 85 Jahre besteht das Ensemble, vor 20 begann mit der Aufführung der selben Passion die Zusammenarbeit mit dem musikalischen Leiter Helmut Breidenstein, und zum zehnten Mal musizierte man mit einem jungen Orchester, das sich aus Mitgliedern der Jungen Deutschen Philharmonie und des Bundesjugendorchesters mit Anna Breidenstein als Konzertmeisterin zusammen setzt.
Kooperation mit Kantorei
Zugleich gab es eine Premiere: die Kooperation mit der Evangelischen Kantorei Schlebusch, die Kirchenmusiker Siegbert Bermpohl für diese Aufgabe vorbereitet hat. Bei seiner Interpretation der Johannespassion setzte Breidenstein vor allem auf die suggestive Kraft der kurzen Turba-Chöre, in der sich die ganze Dramatik des Geschehens entwickelt. Auf diese Einwürfe, die entweder auf den Punkt die richtige Stimmung treffen oder ihre Wirkung verfehlen, weil sie so schnell vorbei sind, hat man sich bei den Proben offenbar ganz besonders konzentriert. Mit Erfolg.
Neue Sänger gesucht
Der Städtische Chor ist als freier weltlicher Oratorienchor seit 1921 eine Säule des kulturellen Lebens in Leverkusen und wird seit 20 Jahren von Helmut Breidenstein geleitet. Für das nächste Projekt sind neue Sänger willkommen. Geprobt wird dienstags ab 19.30 Uhr in der Musikschule. Kontakt: 02175/6317.www.staedt-chor-lev.de
Wach reagierten die rund 90 Sänger der Chor-Allianz und schlüpften glaubhaft in die unterschiedlichen Rollen, die ihnen Bach zugedacht hat. Sie schürten Emotionen als aufgebrachtes Volk, das hetzend „Jesum von Nazareth“ oder später ein peitschendes „Kreuzige“ fordert, das spitz stichelt „Bist du nicht seiner Jünger einer?“ oder mit unnachgiebiger Strenge „Wir haben ein Gesetz“ durchzieht. Andererseits schlüpften sie in die Rolle der Kriegsknechte, die bei „Lasset und den nicht zerteilen“ hörbar den Würfelbecher schüttelten. Schlicht und zurückgenommen kamen dagegen die Choräle der gläubigen Gemeinde. Der dunstige Schlusschor „Ruht wohl“ vermittelte Trauer, die erst durch den Choral „Ach, Herr lass dein lieb Engelein“ aufgehellt wurde. Unterschiedliche Tempovorstellungen ließen den Eingangschor bedenklich wackeln, doch letztlich hat man sich glücklicherweise gefangen. Mit Anne Ellersieck (Sopran) und Evelyn Krahe (Alt) hatte man auf schlanke Stimmen gesetzt, auf füllige Tiefe bei den Bässen Alexis Wagner und Hayk Dèinyan. Rainer Gilsdorf führte als Evangelist mit klaren und teils emotionalen Rezitativen durch die Passion, in den Arien zeigte er deutliche Konditionsschwäche.
Ein Glas Sekt zur Gefangennahme
Frisch, aufmerksam und unverbraucht begleitete auch dieses Mal das Orchester, in dem hoffnungsvolle Nachwuchsmusiker spielen. Ein Gläschen Sekt zur Gefangennahme erscheint allerdings unpassend. Auch wenn man im Konzertsaal statt in der Kirche musizierte, hätte man auf eine Pause verzichten sollen, zumal der ganze Spannungsaufbau damit völlig gekappt wurde.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum






