Leverkusen: Junge Klezmorim begeistern im "topos"
VON TOBIAS KRELL - zuletzt aktualisiert: 09.10.2009Leverkusen (RPO). Noch ist es ohne einen Namen, das Klezmer-Ensemble der Musikschule. Doch dass die zwölf jungen Leverkusener das Zeug dazu haben, sich einen solchen zu machen, das stellten sie beim Konzert im Jazz-Club "topos" unter Beweis.
Sie rissen das Publikum mit bei ihrem Ausflug in die Welt jiddischer Musik, die überaus reich ist an Emotionen. Als Musikschulleiter und Ensemble-Dirigent Jürgen Ohrem über die Möglichkeit eines weiteren Auftrittes im kommenden Jahr sprach, kam die Antwort aus dem Thekenbereich lautstark und unmissverständlich. "O ja", rief Wolfgang Orth ohne zu Zögern.
Ohrems Wunsch: Reise nach Israel
Bei der Terminsuche muss der Wirt allerdings Rücksicht nehmen auf eine mögliche Konzertreise. Ohrem will auch mit dem vierten Klezmer-Ensemble nach Israel reisen, wo die jungen Musiker bislang stets bewegende Kontakte zu Überlebenden des Holocaust erwarteten. "Bis dahin sind wir mit dem Repertoire auch soweit", sagt er überzeugt.
Die Meinung war mehrheitsfähig nach dem Auftritt im "topos", der die Klezmermusik in ihrer großen Bandbreite vorstellte. Den Nachwuchs-Klezmorim gelang das Kunststück jedenfalls, die Stücke in ihrer umfangreichen Gefühlswelt zur Geltung zu bringen. Bewegend traurige Passagen und mitreißend fröhliche Abschnitte wechselten teilweise innerhalb weniger Akkorde. Und bei den wohl bekanntesten Stücken "Hava Nagila" und "Donna, Donna" – letzteres gelangte durch seine ins Englische übersetzten Interpretationen Popularität – stimmten die Zuhörer zumindest im Refrain zahlreich mit ein.
An Tiefe gewann die Darbietung durch die unüblich üppige Instrumentierung und Gesangspassagen. Wie ihr männlicher Mitstreiter brachte auch Nadine Engelen Stücke wie "Zol shoyn kumen die Geule" in jiddischer Sprache dar. "Das ist nicht einfach, aber mit etwas Übung geht es", sagte das 20-Jährige Ensemblemitglied. Wie der Rest des Klezmorim-Dutzends musste auch sie nicht überredet werden. "Es ist wirklich toll, dass gerade junge Menschen aus Deutschland sich für diese Musik begeistern. Und das beeindruckt auch die Menschen in Israel", betonte Ohrem.
Bewegender Dank
Nach dem Auftritt eines der früheren Ensembles in einem Altenheim in der Partnerstadt Nazareth-Illith sei ein alter Mann gekommen, habe seine tätowierte Nummer aus dem Konzentrationslager Auschwitz vorgezeigt und dem Ensemble auf Deutsch gedankt. "Dabei hatte er sich eigentlich geschworen, nie wieder ein Wort Deutsch zu sprechen", erinnerte sich der Musikschulleiter. Solche bewegenden Begegnungen will er auch dem namenlosen Ensemble ermöglichen.
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