Opladen: Kampf in der Polit-Arena: Schüler befragten Kandidaten
VON SEBASTIAN KUNIGKEIT - zuletzt aktualisiert: 15.04.2010Opladen (RPO). Podiumsdiskussionen haben immer etwas von einem Kampf in der Arena. Die Gegner umkreisen sich, parieren jeden Hieb, um im richtigen Moment die Deckung zu verlassen und zurückzuschlagen – rein verbal, versteht sich. Bei der Debatte der Leverkusener Landtagskandidaten am Opladener Berufskolleg war die Situation ein wenig anders: Hier mussten die Politiker sich vor allem gegenüber dem Publikum behaupten.
Denn wo beim gewöhnlichen politischen Schlagabtausch geduldig zugehört wird, gingen die Berufsschüler dazwischen, wenn die Befragten nicht die gewünschte Antwort lieferte. Oder winkten mit den bereitgelegten roten Karten, wenn die Kandidaten aus ihrer Sicht um den heißen Brei herum redeten. "Die sollen denen ein bisschen auf den Zahn fühlen", erklärte Politik-Lehrer Marcus Nick. Und diesem Wunsch kamen die 140 Oberstufenschüler beherzt nach. Da musste sich Ruth Tietz von der Partei "Die Linke" schon mal anhören, ihre Plakate böten "Polemik wie nach dem Ersten Weltkrieg". Das grenzte manchmal haarscharf an Unverschämtheit, umso öfter aber half es, die unterschiedlichen Positionen auf den Punkt zu bringen.
Zum Beispiel, als FDP-Kandidat Timur Lutfullin lang und breit seine Ablehnung der schulpolitischen Ideen der Opposition ausgeführt hatte – Zwischenruf: "Und was willst du?" Moderator Felix Goebels bat die Diskutanten immer wieder, ihre Aussage doch noch einmal in einem Satz zusammenzufassen.
Inhaltlich fiel bei den im Unterricht vorbereiteten Fragen auf, dass die Jugendlichen offenbar vor allem der wachsende Schuldenberg umtreibt. Mit einem skeptischen "Wie wollen Sie das finanzieren?" versuchten sie, die Luft aus den Wahlversprechen der Parteiprogramme zu lassen. Eine Frage, mit der sich die Politiker schwer taten. CDU-Kandidat Rüdiger Scholz verwies darauf, den Großteil der Schulden von der rot-grünen Vorgänger-Regierung übernommen zu haben. Timur Lutfullin sprach von einer guten Haushalts-Bilanz der Landesregierung: Man hätte einen ausgeglichenen Haushalt erreicht – wenn nicht die Wirtschaftskrise dazwischen gekommen wäre, und wenn der Koalitionspartner zugestimmt hätte, die WestLB zu verkaufen. SPD-Frau Eva Lux betonte, es gebe "noch Geld im Land", und verwies eher schwammig auf Subventionen und "Klientelpolitik". Dirk Trapphagen von den Grünen brachte den von seiner Partei geforderten "Bildungs-Soli" aufs Tapet (und erntete dafür skeptische Blicke seiner Wunsch-Koalitionspartnerin). Rasante 90 Minuten, in denen die Jugendlichen den Politikern vor allem eines mitgegeben haben: Dass ihnen bewusst ist, wer die heute gemachten Schulden eines Tages bezahlen muss.
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