Rhein-Wupper: Kanus auf dem Trockenen
VON ROMAN ZILLES - zuletzt aktualisiert: 24.06.2008Rhein-Wupper (RPO). Der Pegelstand der Wupper schwankt in letzter Zeit erheblich – sehr zum Leidwesen von Bootsverleihern, die schon Touren absagen mussten. Eine Turbine bei Glüder steht in Verdacht, die Schwankungen zu verursachen.
Zwei Kanutouren waren für letzte Woche fest gebucht. „Beide mussten wir absagen“, erzählt Georg Sanders. Er verleiht am Berliner Platz Wohnmobile. Seit acht Jahren können dort auch Kanus gemietet werden, und nun plagen ihn diesbezüglich Schwierigkeiten. „Es kommen hier zwei Sachen zusammen, die nicht miteinander harmonieren“, führt Sanders in sein Problem ein. Einerseits wurden vergangenes Jahr im Rahmen der europaweiten FFH (Flora-Fauna-Habitat)-Richtlinie Mindest-Pegelstände auf der Wupper eingeführt, um Tier- und Pflanzenwelt zu schützen. Sinkt der Wasserstand unter diese Werte, dürfen keine Kanus fahren. Sanders vermittelt Fahrten, die am Wupperhof beginnen. Nur wenn der Pegel dort bei mindestens 60 Zentimetern liegt, herrscht freie Fahrt für Kanus.
Pegel im Internet
Die Pegelstände der Wupper können im Internet beim NRW-Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (www.lanuv.nrw.de) oder dem Kanuverband NRW (www.kanu-nrw.de) eingesehen werden. Auch in der Nacht zu Donnerstag traten bei Glüder erhebliche Schwankungen auf. Thomas Becker vom Kanuverband will notfalls die Bezirksregierungen einschalten, um dem „Phänomen“ auf den Grund zu gehen.
Unter einem halben Meter
„Schwankungen um ein oder zwei Zentimeter sind kein Problem“, sagt Sanders und schwenkt zum zweiten Teil der Schwierigkeiten. Denn in diesem Jahr treten laut Sanders im Bereich Glüder erheblich Schwankungen auf: „Manchmal fällt der Pegel dort um fünf bis sieben Zentimeter in einer Stunde.“ Erstmals habe er in diesem Jahr einen Niedrigstand von unter einem halben Meter beobachtet. Das habe es in den Jahren zuvor nie gegeben.
Woher die Schwankungen rühren, glauben Sanders und sein Kollege Thomas Becker aus Solingen zu wissen: von einer Turbine im Wasserwerk Glüder. „Mir sind die unterschiedlichen Pegelstände schon letztes Jahr aufgefallen. Allerdings fielen sie noch nicht so extrem aus“, berichtet Becker, der Kanus verleiht und der Wupperbeauftragte des Kanuverbands Nordrhein-Westfalen ist. Auch er habe Fahrten ausfallen lassen müssen. „Dabei ist jetzt Hauptsaison“, sagt Becker. Weil die Absagen oft kurzfristig erteilt würden, habe er nun mit erbosten Kunden zu kämpfen.
Parallel dazu kämpfe er mit den Solinger Stadtwerken. Von dort habe er unterschiedliche Reaktionen auf seinen Verdacht erhalten. „Einmal hieß es, die Turbine sei nicht richtig eingestellt. Ein anderes Mal, die Pegelmessung sei fehlerhaft.“ Letzteres schließt Becker aus, da die Schwankungen – mit zeitlicher Verzögerung – auch in Opladen auftreten würden. Bei den Stadtwerken zuckt man verbal mit den Schultern. Die Eigenart einer Turbine sei es, „dass das Wasser vorne reinläuft und hinten wieder raus“, erklärt Sprecherin Anita Stefanic. Es werde also kein Wasser aus der Wupper entnommen. Mit den Pegelmessungen hätten die Stadtwerke ebenfalls nichts zu tun. Das sei Sache des Umweltamtes und des Wupperverbandes.
Ungewissheit bleibt also vorerst weiter Georg Sanders’ Begleiter. Für ihn steht im derzeitigen Dilemma allerdings weniger der finanzielle Aspekt im Vordergrund. „Es heißt immer: zurück zur Natur. Aber durch solche Probleme wird es immer schwieriger, solche naturnahen Angebote anzubieten.“
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