Opladen: Karnevals-Knatsch um Frei
VON PETER KORN - zuletzt aktualisiert: 16.02.2010Opladen (RPO). Weil er Stadtpersonal, das ihn Altweiber zum Rathaussturm begleitete, vier Stunden Frei gab, greift die Bürgerliste den Oberbürgermeister an. Buchhorn schlägt zurück.
Reinhard Buchhorn hat seine erste karnevalistische Bewährungsprobe als Oberbürgermeister an den tollen Tagen mit Bravour bestanden. Der witzige Auftritt des CDU-Politikers als Bremischer Seeräuber beim Rathaussturm am vergangenen Altweiber-Donnerstag erntete viel Applaus.
Und doch trafen den "Piratenkapitän" gerade im Hinblick auf diesen Tag am Karnevalswochenende jetzt einige Böllerschüsse aus dem Freibeuterschiff "Bürgerliste". Deren "Lotsenkommandant", Fraktionschef Erhard T. Schoofs, ereiferte sich in einem zweiseitigen Schreiben über eine, wie er betont, "freiwillige Ausgabe" des Verwaltungschefs, die ihm und seinen Ratskollegen Stefan Manglitz und Michael Quatz offenbar die Karnevalslaune gehörig verhagelt hatte.
Gegenstand der Kritik: Buchhorn hatte städtischen Mitarbeitern, die ihn beim Sturm in den Luminaden unterstützen wollten, vier Stunden freigegeben. Schoofs verlangt nun für den kommenden Finanzausschuss und die nächste Stadtratssitzung einen Bericht, in dem Buchhorn nachweisen soll, wie diese "freiwillige Ausgabe" finanziert werde. Außerdem will die Bürgerliste wissen, auf welcher Rechtsgrundlage das Frei erteilt worden sei, und wie der Oberbürgermeister beabsichtige, diesen geldwerten Vorteil der Kommunalaufsicht gegenüber zu rechtfertigen.
Buchhorn selbst feuerte gestern eine Breitseite gegen diesen Angriff zurück: "Ja, ich habe dieses vierstündige Frei unseren Mitarbeitern spendiert", erklärte er auf Anfrage unserer Zeitung: "als Belohnung für die guten Leistungen der vergangenen Monate". Wer über die Zeit von 10.30 Uhr und 14.30 Uhr hinaus feiern wollte, musste sich demnach allerdings um Freizeitausgleich bemühen. "Die paar Stunden müssen einfach drin sein, um auch mal ein Dankeschön auszusprechen", betonte Buchhorn. Schließlich lebe man im Rheinland.
Und dann legte der Verwaltungschef nach: Er habe vor Monaten bei seinem Versuch, den Stadtbediensteten über Karneval anderthalb Tage freizugeben, hauptsächlich von SPD und Bürgerliste Gegenwehr im Ältestenrat erhalten. "Da kann ich nur sagen: Unter SPD-Oberstadtdirektor und Oberbürgermeister Dr. Walter Mende standen damals um 10 Uhr schon die Bierfässchen auf den Tischen, später gingen dann alle feiern." Und an Schoofs gewandt: "Wer in seiner Zeit als Gesamtschullehrer so oft gefehlt hat, dass er abgemahnt worden ist, hält sich mit Kritik in Sachen ,Frei' besser zurück."
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