Leverkusen: Keine Nein-Stimme für Ernst Küchler
VON TOBIAS KRELL - zuletzt aktualisiert: 09.03.2009Leverkusen (RPO). "Ein Prozent mehr würde ich mir wünschen", bat Amtsinhaber Ernst Küchler, ehe er von seinen Parteigenossen erneut zum Oberbürgermeister-Kandidaten gekürt wurde. Sein Wunsch wurde mehr als erfüllt. Hatte er beim SPD-Parteitag Ende November noch vier Nein-Stimmen erhalten, gab es diesmal nicht eine einzige. Küchler erhielt 64 von 65 abgegebenen Stimmen – bei einer (vermutlich eigenen) Enthaltung. Die erneute Nominierung war nötig geworden, da der Sozialdemokrat nun als Kandidat sowohl für seine Partei als auch für Bündnis 90/Die Grünen antritt. Mit minutenlangem Applaus und Ovationen feierten Vertreter beider Beteiligten Küchlers Wahl. "Dieses Ergebnis ist ein tolles Zeichen und eine sehr angenehme Überraschung", meinte die Parteivorsitzende Eva Lux.
SPD und Grüne einig
Beim SPD-Parteitag demonstrierten die neuen kommunalpolitischen Partner Einigkeit und schossen sich gleich auf das so genannte "bürgerliche Lager" aus CDU und FDP ein, das in Reinhard Buchhorn ebenfalls einen gemeinsamen OB-Kandidaten nominiert hat. "Dieser Schritt ist nicht bloß das Reagieren auf den Lagerwahlkampf, sondern ein politischer Markschrei für ein soziales Leverkusen, ein wirtschaftlich aktives Leverkusen und ein umweltbewusstes Leverkusen", betonte Lux. Die Stadt brauche ein Oberhaupt, das "kein bürokratischer Verwalter" – eine Spitze gegen Buchhorn – "sondern ein Gestalter" wie Küchler sei, der die "Gutsherren- und Bürokraten-Ära" seines (CDU-)Vorgängers Paul Hebbel beendet habe.
Mit der schwarz-gelben Landesregierung und deren "Geeiere um den Wahltermin" gingen alle Beteiligten schwer ins Gericht. "Erst wollten sie die Zusammenlegung mit der Europawahl – aus Kostengründen und für eine höhere Wahlbeteiligung. Und als sie mit diesem Vorhaben gescheitert sind, zählen diese angeblichen Ziele nicht mehr und sie wollen einen separaten Termin. So viel Dreistigkeit habe ich schon lange nicht mehr erlebt", meinte Küchler. Der Bundestagsabgeordnete Professor Karl Lauterbach nannte das Vorgehen sogar "dummdreist". "So leicht wird der Bürger sich nicht täuschen lassen", ist er überzeugt. Die Grünen bezeichnete Lauterbach als "zweitbeste Partei in Deutschland", das Bündnis auf Kommunalebene als "unabhängig vom Wahlausgang richtige Entscheidung, die sogar in Berlin wahrgenommen wird".
Arnold fand's "denkwürdig"
Angesichts der kommunalpolitischen Premiere mit einem gemeinsamen Kandidaten durfte in Roswitha Arnold erstmals auch die Fraktionssprecherin der Leverkusener Grünen auf einem SPD-Parteitag sprechen. Sie empfand das "als einen mehr als denkwürdigen Termin". Dem von CDU und FDP ausgerufenen Lagerwahlkampf wolle Rot-Grün politische Inhalte entgegensetzen. "Es sind immer noch wir, die die Antworten auf die drängenden Fragen hier in Leverkusen haben", betonte sie.
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