Opladen: Kinder üben Spielzeug-Verzicht
VON MONIKA KLEIN - zuletzt aktualisiert: 25.02.2009Opladen (RPO). Viele Menschen üben von Aschermittwoch bis Ostern bewusst Verzicht. Sie haben sich vorgenommen, Alkohol, Süßigkeiten, Zigarretten oder Fernsehen zu meiden. Kindergärten haben sich zum "Spielzeug-Fasten" entschlossen.
Kreativität macht Spaß
Am Ende der letzten Fastenzeit fragten die Erzieherinnen der "Arche Noah", was denn nun wieder aus dem Keller zurück geräumt werden solle. "Nichts" war die spontane Antwort der Kinder, die offensichtlich kaum etwas vermisst hatten.
"Kreativität macht eben Spaß", erklärt Leiterin Anke Strehlke. Die sei durch die Aktion auf jeden Fall gefördert worden worden. Ein sinnvoller Beitrag zur ganzheitlichen Bildung von Kindern.
Wer sich eine Weile einschränkt, überdenkt liebgewordene Gewohnheiten und kann bewusster genießen. Diese Erfahrung, die alle teilen, die sich je auf "Sieben Wochen ohne..." eingelassen haben, lässt sich auch auf den Kindergarten übertragen. Das dachten sich die Erzieherinnen der Evangelischen Kindertagesstätte Am Bielert, als sie sich auf Vorsätze für die Passionszeit 2009 einigten. Aber hier will man nicht auf Genussmittel wie Süßigkeiten verzichten, sondern Fasten in Form von Spielzeugreduzierung.
"Wir werden Gesellschafts- und Brettspiele aus den Regalen nehmen und den Kindern stattdessen ganz einfaches Material wie Steine, Gardinenringe oder ähnliches anbieten", erklärt Leiterin Marion Quack die Idee. In der vergangenen Woche hatten sie und ihre Kolleginnen dazu eine Fortbildung, die im Rahmen der Suchtvorbeugung vom Kirchenkreis angeboten wird. Man will die Sache dann mit den Kindern zusammen umsetzen. Die werden gemeinsam mit dem Personal Spielekisten aus den gut gefüllten Regalen räumen und in den Keller tragen. Dann wird sich zeigen, was sich ab Aschermittwoch noch zum Spielen findet.
Intensiveres Spielen
"Sie spielen mehr und intensiver als je zuvor", sagt Anke Strehlke voraus. Die Leiterin des Familienzentrums und der Evangelischen Kindertagesstätte "Arche Noah" in Lützenkirchen hat reichlich Erfahrung im "Spielzeugfasten". Die brachte sie schon von ihrer vorherigen Stelle mit, der Einrichtung an der von-Diergardt-Straße, mit, die sie nun auch gerne an die Kolleginnen im Umkreis weitergibt. Im vergangenen Jahr tauschte sie bereits mit Kolleginnen und Kindern industriell gefertigte Spiele gegen bespielbares Material aus. Da gab es nun Kartons, Muscheln und Federn, Knöpfe, Murmeln, Zahlen- und Farbwürfel und Kleinigkeiten aus dem Werkzeugkasten. Statt vorgegebene Spielregeln zu befolgen, erfanden die Kinder selbst welche.
Sie kreierten mit Federn ein Streichel-Ratespiel oder bauten eine Murmelbahn aus Pappen, Schrauben und Unterlegscheiben. Sie konstruierten mit Kisten und diversen Kleinigkeiten einen Kaufladen, in dem ausdauernder denn je gespielt wurde. Statt einer ganzen Kiste voller Autos gab es nur noch drei Fahrzeuge, über deren Einsatz man sich einigen musste.
"Das diente der Sprachförderung, denn die Kinder mussten begründen, warum sie ein bestimmtes Teil haben möchten", erklärt Anke Strehlke.
Ganz anders als beim Brettspiel, wo man immer nur den monotonen Satz "Du bist dran" höre. "Wir haben auch Farben und Buntstifte reduziert", zählt sie weiter auf. Es gab nur Grundfarben, schwarz und weiß. Durch Experimentieren erkannten die Kinder sehr schnell, dass man die anderen Töne selbst mischen kann.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum






