Leverkusen: Klang-Welt
VON MONIKA KLEIN - zuletzt aktualisiert: 05.10.2007Leverkusen (RPO). Im Museum Morsbroich ist die „ars viva“-Ausstellung „Sound“ vom Kulturkreis der deutschen Wirtschaft im BDI bis Januar 2008 zu sehen und zu hören.
SCHLEBUSCH Ein ruhiger Aufenthalt wird der Besuch der aktuellen Ausstellung im Museum Morsbroich garantiert nicht. Sind die Geräusche unten noch zurückhaltend, klingeln doch am Ende des Rundgangs ziemlich die Ohren. Denn jede Arbeit bedient sich des Mediums „Sound“, Thema des diesjährigen „ars viva“-Wettbewerbs vom Kulturkreis der deutschen Wirtschaft im BDI. Vier Preisträger, die eine Jury aus 29 Einsendungen filterte, haben beide Etagen bestückt und auf die Architektur des Hauses Bezug genommen. „Die Schlossgespenster haben schon Bach, Haydn und Mozart gehört, aber so etwas noch nicht“, schmunzelt Museumsleiter und Jurymitglied Dr. Markus Heinzelmann.
Karriere gemacht
Er lobte das Konzept von Kulturförderung aus der Wirtschaft, das nicht auf renommierte Namen setze, sondern auf ganz junge und durchaus herausfordernde Kunst. Das hat im Kulturkreis lange Tradition, denn seit 1956 wird jährlich der „ars viva“-Preis vergeben. Und mancher ausgezeichnete Neuling hat später seine Karriere gemacht. Das ist parallel im Erholungshaus zu sehen, wo die Kulturabteilung Bayer die Sammlungs-Erwerbungen von „ars viva“-Preisträgern zeigt. Beide Ausstellungen wurden zum 100. Geburtstag der Kulturabteilung eingefädelt. Teilnehmer der Jahrestagung des Kulturkreises, zu dessen Gründungsmitgliedern Bayer gehört, haben am Sonntag Gelegenheit zu einem ersten Rundgang im Museum. Es braucht Zeit, sich auf jede einzelne Sound-Installation einzulassen, die sich mit Unterbrechung oder in Endlosschleife wiederholen. Klänge in der Kunst haben eine etwa 100-jährige Geschichte. Sie sind unsichtbar, immateriell und deswegen immer mit anderen Medien und Materialien verbunden. Diese Erfahrung ist in allen Räumen zu machen, auch da, wo sich die Sound-Künstler auf Lautsprecher beschränkten. So wirkt Florian Heckers Komposition im Zusammenspiel mit dem nackten barocken Raum und den Bäumen vor dem Fenster.
Nico Dockx bespielt als Klangarchitekt vier nebeneinanderliegende Räume mit unterschiedlichen Sounds, die sich per Zufallsprogramm immer neu mischen. Wie Sounds die Wahrnehmung von optischen Eindrücken beeinflussen, wird in der neuesten Installation von Astrid Nippoldt deutlich. Sie fügte für ihre Arbeit „Getaway Inn“ Bildsequenzen aneinander, die sich in anderem Rhythmus wiederholen als die Tonspur.
Aus dem Gleichgewicht bringt Marcellus L. mit seiner Arbeit „ebbing.flowing“. Zwischen zwei wandfüllenden Projektionen desselben Schiffswracks, das eine bei steigendem, das andere bei fallendem Wasser aufgenommen, gerät der Betrachter auf dickem Teppichboden ins Schwanken. Das optische Phänomen wird verstärkt durch den Sound, der im Kreis wandert.
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