Leverkusen: Künstler als Mythos
VON MONIKA KLEIN - zuletzt aktualisiert: 04.09.2010Leverkusen (RPO). Die erste Erholungshaus-Ausstellung in der Spielzeit 2010/11 zeigt die Auseinandersetzung mit antiken und christlichen Mythen in der Kunst ab 1960.
An den antiken Mythen haben sich Künstler seit der Renaissance zu allen Zeiten abgearbeitet. Bis in die Gegenwart spielen sie eine Rolle, auch wenn sich der Umgang mit dem Thema durchaus verändert hat. Auf welche Weise, das führt die Ausstellung "Mythen im Spiegel der Bildenden Kunst seit 1960" vor Augen, die am morgigen Sonntag um 11 Uhr im Erholungshaus eröffnet wird, eine Woche vor dem feierlichen Beginn der Spielzeit 2010/11, die bei Bayer Kultur unter dem Motto "Mythos und Gegenwart" steht.
Kunsthistorikerin Andrea Peters von arts, Gesellschaft für Kunst und Kommunikation in Düsseldorf, hat die Schau zum "Mythenblick" zeitgenössischer und ganz junger Künstler konzipiert. Beim Presserundgang gestern zeigte sie die Schwerpunkte.
Sonntags Führungen
Zur Ausstellungseröffnung im Erholungshaus, Nobelstraße 37, am Sonntag um 11 Uhr spricht Prof. Bazon Brock. Führungen sonntags um 11.15 Uhr, geöffnet samstags und sonntags 11 bis 17 Uhr.
Überwindung von Grenzen
Da sind zum einen die Künstler der neuen Figuration, bei denen die alten Mythen über Paraphrasen gespiegelt auftauchen. Dieser Gruppe mit mehreren großformatigen Gemälden ist der Platz im Eingangsbereich überlassen. Odysseus oder die Sirenen, Dädalus und Ikarus als Sinnbilder für den Wunsch nach der Überwindung menschlicher Grenzen tauchen in der großflächigen Malerei von Bernd Finkeldei, K.H. Hödicke oder Bernd Koberling auf. Von Markus Lüpertz ist ein kleines Modell seines "Merkur" ausgestellt. Eine Serie von Skizzen, die über mehrere Jahre entstanden sind, zeigen die lange Auseinandersetzung mit der Figur und dem Ringen um eine Gestalt, die alle klassischen Attribute des Merkur vor Augen führt, ohne klassisch gestaltet zu sein.
Dem Mythos der Natur wendeten sich Maler wie Hödicke oder Koberling in den 80er Jahren zu. Die Naturgewalten der westirischen Steilküste oder Island als Land, das von Eis und Vulkanismus beherrscht wird, sind Sujets ihrer Arbeiten, die zum Teil mit den Überlieferungen der Antike verknüpft wurden. Die alten Geschichten sind auch in Arbeiten der ganz jungen Künstler präsent, ebenso wie Tradition und Symbolik des Christentums. Aber diese Bilder, Zeichnungen und Skulpturen sind viel schwerer zu entschlüsseln, weil sie ganz ungeniert verschiedene Einflüsse mit Märchenfiguren oder Musik vermischen, was die Kuratorin "Assoziative Sample-Technik" nennt. Die obere Etage ist den Künstlermythen vorbehalten, zeigt Künstler wie beispielsweise Beuys als Mythos. Etwa in einem Kreuzweg, den der Fotograf Bernd Jansen aus Aufnahmen zusammenfügte, die er während einer Kunstaktion im Atelier des schillernden Künstlers aufgenommen hatte.
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