Rhein-Wupper: Lange Nacht auf der A1
VON SEBASTIAN KUNIGKEIT - zuletzt aktualisiert: 20.12.2009 - 23:46Rhein-Wupper (RPO). Zweistellige Minusgrade und ein tiefverschneiter vierter Advent: Der Winter hat voll zugeschlagen, es fiel über 20 Zentimeter Schnee. Sonntagabend mussten an die 300 Helfer von THW Leverkusen und Rhein-Berg, DRK, Feuerwehren Leichlingen, Burscheid und Wermelskirchen auf die Autobahn 1 ausrücken.
Der Verkehr stand auf 20 km Länge zwischen Leverkusen und Remscheid. Die Helfer schleppten querstehende Fahrzeuge und andere „Blockierer” frei, verteilten Decken, Getränke und Medikamente (wie Insulin). Auf die Autofahrer wartete eine lange Nacht, manche freundeten sich mit dem Gedanken an, auf der A1 zu übernachten.
Das Bergische Dorf (Weihnachtsmarkt) in Opladen verwandelte sich in eine märchenhafte Winter-Landschaft. Passanten eilten knarzenden Schrittes durch das Schneegestöber, den Kragen hochgeschlagen und die Mütze tief ins Gesicht gezogen. Nur wenige hielten inne, um das Angebot der Stände in Augenschein zu nehmen.
Sekt bei Minusgraden
In Wiesdorf dagegen war am Samstag trotz Kälte viel los, das Parkhaus Wöhlerstraße war am Vormittag ausgebucht. Der Einkaufsbummel durch die City machte aber wenig Spaß: Der Boden in weiten Teilen der Fußgängerzone war durch den Schneematsch sehr rutschig.
Wegen der Kälte flüchteten die Menschen möglichst schnell in die Kaufhäuser und Geschäfte. Es gab aber auch hartgesottene Wetter-Freaks: Der Sektausschank vor dem Kaufhof lief, als ob es keine zweistelligen Minusgrade gab. Einschränkungen und Verspätungen mussten manche Bus-Nutzer hinnehmen.
So fuhr die Linie 201 zeitweise nicht mehr bis Schöne Aussicht, sondern endete in Lützenkirchen-Mitte. Viele Linien waren völlig aus dem Fahrplantakt gekommen. Uwe Steffens wollte eigentlich gestern mit seiner Freundin nach Köln, doch die Busse der Linie 250 fuhren nicht.
Stattdessen wärmte er sich in Opladen an einem Glühwein und freute sich trotzdem über den Schnee: „Sonst ist das ja sofort Matsch, jetzt passt es endlich mal mit den Temperaturen”, sagte er. „Ja”, ergänzte seine Begleiterin lachend, „sehr schön - ab Heiligabendmittag.”
Die Polizei stellte den Autofahrern ein gutes Zeugnis aus. Die meisten fuhren vorsichtig. Wer sich raus traute, für den wurde die Fahrt mancherorts zur Rutschpartie. Auf den Autobahnen um Leverkusen entstanden gestern Abend lange Staus.
Zeitweise brach der Verkehr dort komplett zusammen. Die Räumdienste waren im Dauereinsatz. In Leverkusen waren die Mitarbeiter am Freitag bis 23 Uhr auf den Straßen, am Samstagmorgen waren diese wegen der extremen Kälte wieder spiegelglatt.
„Die Wirkung des Salzes hält bei diesen Temperaturen nicht an”, erklärte Dienstleiter Stefan Cserep. Gestern waren seine Kollegen mit acht großen und vier kleinen Streufahrzeugen im Einsatz. Für Schwierigkeiten sorgte der anhaltende Schneefall.
„Wenn es schneit, ist die Auftauwirkung des Salzes nicht gegeben”, so Cserep. Viele Familien nutzten dagegen die Gelegenheit zu einem Ausflug in die weiße Winter-Pracht. Viele Wiesen wurden zum Rodelhang. Auch Bettina und Marcus Benn aus Witzhelden zog es mit ihren Kindern Janina (7) und Lukas (4) nach draußen. „Ich find das sehr schön, da wird einem wenigstens mal weihnachtlich zu Mute”, sagte Bettina Benn strahlend.
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